Dienstag, 23. Dezember 2008
Frohe Feste
Ich sitze gerade in einem Internetcafé in Granada, einer zwar sehr schoenen, aber auch wenig nicatypischen Stadt, die am Nicaraguasee liegt, uns mit einem seehr angenehmen Klima empfangen hat und sich von ihrer schoensten Seite zeigt.
Aber ich fang mal kurz von vorn an:
Wie Ihr ja im letzten Eintrag lesen konntet, war ich aufgeregt, da ich meine Eltern vom Flughafen abholen wollte. Nachdem ich mich also um ein Hotel in Managua, Flughafennaehe, gekuemmert und ca. 2 - gefuehlte 3 - Stunden auf das Flugzeug meiner Eltern gewartet hatte, kamen sie schliesslich mit anderthalb Stunden Verspaetung, ein wenig hungrig und muede in Managua, der Hauptstadt an.
Frueh am naechsten Morgen (um halb sechs waren ausser mir wegen des Jetlags sowieso alle wach ;-D ) stiegen wir dann in einen komfortablen, aber doch vollen Bus nach Nueva Guinea, in dem sich meine Familie auf 7 Stunden Fahrt der nicaraguanischen Art zu reisen und zu leben ein wenig annaehern konnte. Angekommen in La Guinea ging es dann zuerst in die WG, wo wir auch die Nacht verbracht haben. Nach einem vernieselten Stadtrundgang (meine Stadt duerfte die einzige in Nicareagua sein, in der es immernoch regnet), einem Besuch meiner Schule und beim Internetcafé waren wir dann abends bei meiner Gastmutter zum Essen eingeladen - es wurden nicaraguanische Koestlichkeiten serviert, begleitet von einem leckeren Hibiskuswein, ein wenig Konservation (mit mir als Dolmetscherin) betrieben und eine Bescherung gefeiert, bei der meine Eltern ihre Mitbringsel und noch viel mehr los wurden, bis wir schliesslich zufrieden in die Betten fielen.
Der zweite Morgen in Nica begann verregnet, konnte aber unsere Stimmung nicht trueben, als wir uns nochmals zu Maria Luisa aufmachten, wo meine Eltern ihr erstes richtiges "Gallo Pinto" verspeisten und es sogar mochten (wer kann schon frittierten Bohnen und Reis widerstehen *gg*).
Sie lernten noch Moisés kennen, bevor wir uns dann doch schon wieder aufmachten, schliesslich ging es hoch in den Norden, nach Matagalpa. Der Weg bestand aus 3 verschiedenen Busfahrten mit sehr unterschiedlichen Komfortstufen, Fuellungsgraden (von jeder hat einen Platz bis 3 Leute fahren bei offener Tuer auf dem Trittbett mit, waehrend die, die drinnen stehen durften, sich nicht festhalten mussten, weil man sowieso nicht haette fallen koennen) und Verpflegungen (Kekse, Cola, Brot, Maistortilla mit Kaese, Orangen). Im Dunkeln und ziemlich k.o. (nach 9 Stunden Bus) wartete eine komfortable WG-Unterkunft auf uns, weil sich meine Kollegen in Matagalpa aufgrund der spaeten Stunde und der schwierigen Hotelsuche so gastfreundlich zeigten, uns aufzunehmen und gegen ein wenig Essensbeitrag sogar drei Naechte dort bleiben zu lassen. Abends waren wir dann - besonders zu meiner und meines Bruders Freude - PIZZA essen!!!
Am naechsten Morgen war ausschlafen und waschen angesagt und mittags machten wir uns auf, mit einem Freund von Annika und Alex (den Freiwilligen und WG-Bewohnern) als Touristenfuehrer eine alte Goldmine zu entdecken. Abenteuerliche Hinweise wie "nicht die Decke anfassen, nicht zu laut rufen, die Hoehlen koennten einstuerzen" inklusive. Ein toller Tag, der seinen Abschluss beim Mexikaner fand...
Gestern standen mit demselben Freund eine Fuehrung durch ein Nebelregenwald-Naturreservat und eine Kaffeefuehrung an, bei der wir von der Kirsche bis zur Bohne alles erklaert bekamen und sogar einen Blick in eine Unterkunft eines Kaffeepflueckers erhaschen konnten - was uns nachdenklich ob der Arbeitsbedingungen und Entlohnung stimmte, war doch die Finca noch eine der arbeiterfreundlichsten ind ganz Nicaragua. So viel zum Thema Fair Trade und so... Naja, verglichen mit Bauarbeitern oder Marktfrauen verdienen die Kaffeepfluecker, die wirklich schnell sind, eigentlich ziemlich viel. Trotzdem sind die 6 Dollar am Tag nicht viel fuer 10 Stunden Arbeit.
Und da sind wir auch schon beim Hier und Heute angelangt. Nach wenig Schlaf und leeeckeren Crepes zum Fruehstueck war unser Ziel Granada, was wir nach anderthalb Stunden Expressbus, einer halben Stunde Taxi und weiteren 40 Minuten im etwas kleineren Bus erreichten. Erste Eindruecke: Koloniale Bauten, die an Mexiko und Spanien erinnern (nur etwas kleiner und bunter) und nicht so richitg Nica sind; viiiel Sonne; noch viel mehr Touris (Cheles) und ein cooles Hotelzimmer. Hier werden wir uns heut noch entspannen und dann morgen nach einer Bootstour zu so kleinen Inseln ("Isletas") und einer "Canopy-Tour" am Mombacho-Vulkan in einem netten Restaurant den Heiligen Abend begehen werden...
Das fuehrt mich doch glatt dazu, darueber nachzudenken, dass es bei Einigen von Euch ja jetzt schon der 24.12. ist und Ihr in weniger als 20 Stunden wohl schon Eure Geschenke ausgepackt, Euch den Magen vollgeschlagen und einige Lieder getraellert habt! Dabei wuensche ich Euch sehr viel Spass, ein bisschen Ruhe, wem's gefaellt und vor allem, dass Ihr es mit lieben Leuten verbringen koennt. Lasst Euch die Lebkuchen, den Braten, den Kartoffelsalat und wer weiss was sonst noch auch in meinem Namen schmecken und schickt mir ein Foto von Euch an Weihnachten!! (Ich verspreche auch eins!)
Ich hoffe, ich kann mich vor Silvester nochmal melden, da ich es aber nicht garantieren kann, vorsichtshalber einen guten Rutsch, fallt nicht hin (hmmm... der hat schon einen langen Bart) und ein gesundes, erfahrungsreiches Jahr 2009!
Wer mir schreibt, bekommt dann auch irgendwann mal eine Antwort! Wer mir schon geschrieben hat, noch mal schreiben, kann sein, dass die Mail mit meinem Stick zusammen verloren gegangen ist!
Es gruesst eure "Touristenfuehrerin, Dolmetscherin und Kaffeeexpertin" Lisa
Montag, 8. Dezember 2008
Lebensmeldung
ich weiss zwar nicht, obn ueberhaupt noch viele meinen Blog verfolgen, weil ich gestehen muss, dass es ziemlich schwer ist, hier noch was reinzuschreiben, wo ich ja schon mit Tagebuch, Monatsberichten und und und beschaeftigt bin... Aber jetzt wil ich mal kurz schreiben, was ich grad so mache:
Die letzten Wochen waren in der Schule gepraegt von Wandertagen und Examen, da die grossen Weihnachtsferien bevorstanden und wir mit dem Stoff durch waren, konnten wir die Paseos geniessen, von denen einer sogar an den Pazifik ging, die andern auf eine Finca (oekologische Farm) in der Naehe von Nueva Guinea. Dort haben wir mit den Kindern gespielt, die Matheexamen geschrieben, gekocht, ein wenig Sport gemacht, Schafe gefuettert, Horrorfilme geguckt, Lagerfeuer mit Stockbrot gemacht, ein wenig getanzt und schliesslich bin ich auch endlich einmal kurz geritten (aber ohne Sattel und so, nur um das Fussballfeld rum, weil der, dem das Pferd gehoerte, grad Fussball spielen wollte.
Dann kam noch die Zeugnisverleihung, die freien Tage bis dahin haben wir mit Gartenarbeit ueberbrueckt - Beete mussten angelegt, dann umgegraben und mit Sand und Duenger vermischt werden und schliesslich die Pflanzen eingepflanzt werden. Jetzt haben wir eine schoene Mischung zwischen Nutz- und bald auch Zierpflanzen, die hoffentlich in ein oder zwei Monaten auch ein wenig gruen aussehen... Angepflanzt wurde unter anderem: Paprika, Chili, Bananen, Yucca (Maniok), Bohnen, Ingwer, Zitronengras, Papaya, ein Orangenpflaenzchen und irgendwas andres, von dem ich nich weiss, wie es auf deutsch heisst.
Am Montag, dem 1.12. habe ich mich dann mit Stephan in den Bus mit Ziel San Carlos gesetzt (ein Ort am Nicaraguasee, von dem eine Faehre nach Ometepe, die Insel dort, faehrt). Dort ist dann aber leider die Faehre, die wir nehmen wollten, nicht gefahren, sodass wir kurzerhand beschlossen, einen kleinen Ausflug den Rio San Juan (Grenzfluss mit Costa Rica) runter zu machen und uns ein wenig den dortigen Regenwald anzugucken. Das hat sich auch wirklich gelohnt - Fotos werden auf jeden Fall noch nachgereicht!
Wieder zurueck in San Carlos nahmen wir dann am Freitag die Faehre, fuhren bis Granada, von dort dann mit dem Bus nach Masaya, um mit den Freiwilligen von dort gemeinsam nach Leon zu fahren, wo wir uns mit allen Nica-Freiwilligen unserer Organisation treffen wollten und es auch geschafft haben. Wir fuhren an den Pazifikstrand, badeten, kochten auf dem Lagerfeuer, feierten die Geburtstage von Jessi und Doro und ausserdem das Ende der sogenannten "100 Tage Anstrengung", ein Zeitraum, in dem unsere Organisation sozusagen wuenscht, dass wir uns nicht zu viel beschweren und uns jeden Tag mit voller Kraft dem Projekt, der Verschoenerung unserer WG und unserem Leben hier in Nicaragua widmen. Das Ende dieser 100 Tage war also eine Feier wert ;-) Wir haben also viel entspannt, und in Haengematten am Strand uebernachtet. Am naechsten Tag sind wir dann wieder in die Stadt gefahren, wo die "Purísima" gefeiert wurde, ein Fest, dass der Jungfrau Maria gewidmet ist und bei dem die Leute Altare in ihren Haeusern aufbauen. Dann geht man von Altar zu Altar und fragt: "Wer verursacht soviel Freude?" - woraufhin die Antwort "Es ist die Jungfrau Maria:" folgt und in die offen hingehaltene Hand ein paar Suessigkeiten gleiten. Die Nicas gehen mit Rucksaecken auf den Bauch geschnallt los, um auch alles, was sie auf diese Weise erbeuten, verstauen zu koennen. Auch ich habe einiges abgesahnt - von Schuesseln, Obst, Stiften ueber Streichhoelzer, Kaffeetuetchen und Tuetensuppe bis hin zu Suessigkeiten und Milchreis. Danach sind wir noch in einem Club tanzen gewesen.
Heut morgen brachen wir dann wieder gemuetlich nach Masaya auf, von wo aus ich jetzt gerade schreibe. Morgen geht es fuer mich weiter nach Ometepe, um im Projekt einer Bekannten von Wise e.V. zu arbeiten und so meine Ferien zu ueberbruecken, ohne meinen gesamten Urlaub zu verpulvern.
Am 18.12. werde ich dann meine Eltern in Managua abholen, mit ihnen nach Nueva Guinea fahren, um ihnen einen Einblick in mein dortiges Leben zu gewaehren und mich dann mit ihnen auf eine Rundreise duech ganz Nicaragua aufmachen.
Ich wuensche Euch allen also, falls Ihr nichts mehr von mir hoert, ein gesegnetes Weihnachtsfest, eine schneereiche Vorweihnachtszeit, ruhige Ferien und schliesslich einen guten Rutsch ins Neue Jahr!!!
Vorher werdet Ihr aber bestimmt nochmal von mir hoeren... hoffe ich jedenfalls...
Machts gut, bleibt gesund (ich schlage mich hier seit zwei Wochen mit einer mehr oder besser gesagt weniger angenehmen Erkaeltung herum) und meldet euch ruhig mal!
Eure Backpackerin und abenteuerlustige Lisa
Freitag, 17. Oktober 2008
Letzte Woche
Es ging am Montag los, als ich, noch k.o. vom Wochenende, an dem ich nicht soo viel geschlafen hatte und am Sonntag haben wir ausserdem in der WG gestrichen, frueh aufstand und erstmal meinen Tagebuch-Schreibkram bewaeltigen musste...
Dann ging es in die Schule, wo ich halbwegs zufriedenstellenden Unterricht machte.
Eigentlich geht es vor allem um den Dienstag: Da habe ich naemlich schon morgens von 8.30 Uhr an meinen Unterricht vorbereitet (faengt uebrigens immer fruehstens 10.45 Uhr an), was mich deshlab viel Zeit kostet, weil ich die Materialien vorbereitet habe, mit denen die Schueler naechste Woche ihre Praesentationen halten sollen. Ich habe also fuer jeden ein Blatt doppelseitig mit Regeln, Formeln und Uebungsaufgaben beschrieben, mit dem sie dann arbeiten, sich neue Uebungsaufgaben fuer die Anderen ausdenken und schliesslich in angemessener Form (mal sehen, ob das klappt und wo ich da meine Ansprueche ansetzen muss) praesentieren sollen. Ich gebe ihnen dafuer noch die Stunde am Montag, wo ich ihnen dann mit Rat und Tat zur Seite stehe ;-) Leider konnte ich nicht soo viel Zeit zur Vorbereitung geben, weil mich das ploetzlich vor der Tuer stehende Ende des Parcials (in dem die Praes. noch stattfinden muessen) ziemlich ueberrascht hat... Naja, das naechste Mal bin ich schlauer. Welchem Lehrer geht es schliesslich nicht so, dass er sich am Ende nochmal besonders beeilen muss??
Auf jeden Fall bin ich dann zur Schule und hab mal ein paar Sachen angesagt, wie z.B. dass Mitarbeit auch bewertet wird und dass schon bald die Examenes ausstehen. Prompt hatte ich folgsame, tolle Schueler, mit denen ich dann auch alles, was ich mir fuer die Stunde vorgenommen hatte, geschafft habe. Und in dem Englischtest, den ich geschrieben habe, hat auch der Grossteil der Klasse gut bis sehr gut abgeschnitten. Da bin ich dann doch ziemlich zufrieden nach Hause, wo ich gleich die Tests korrigierte...
Am Mittwoch ist ja immer mein eher entspannter Tag, weshalb ich die Zeit nutzen konnte, in meinem Buch ein wenig weiter zu lesen und ausserdem die Materialien (fuer die Vortraege) weiter zu machen. Pro Schueler hat es mich mit ein bisschen Ablenkung (essen, mit María Luisa reden) ungefaehr eine Stunde gekostet (zum Glueck sind es nur sieben Schueler). Und da ich mich am Nachmittag, als ich Zeit hatte, nicht zum Arbeiten aufgerafft hatte, sass ich dann eben bis 23 Uhr (was hier unverschaemt spaet ist, die "noche" faengt schliesslich schon 18 Uhr an und meine Familie war gegen 20.30 Uhr im Bett). Wenn ich daran denk, bis wann ich in Deutschland immer wach war, ist das schon voellig anders hier, aber ich steh ja auch frueher auf...
Tja, am Donnerstag hatten wir ein bisschen Stress in der Englisch-AG, weil ein paar Jungs Scheibe gespielt haben. Die Donnerstagsgruppe ist fast die schwierigste, obwohl es die wenigsten Schueler sind, weil 2 kleine sehr schuechterne Maedchen aus der 1. und 2. Klasse, die immer etwas laenger zum verstehen brauchen, und 3 laute, freche und schnell begreifende Jungs aus der 4. und 5. Klasse drin sind. Die unter einen Hut zu bekommen ist schwieriger als eine Grupe von 13 Leuten zu unterrichten. Tja, die drei Jungs durften dann zur Strafe nicht beim Spiel mitmachen, das wir am Ende gespielt haben und wir werden ausserdem mit ihren Klassenlehrerinnen sprechen muessen.
Danach ging es fuer mich nach Hause, endlich die Materialien fertig machen, dann im Regen zum Kopierladen und im Regen zur Schule. Die Deutschstunde, die auf die Mathestunde (wofuer ich die Materialiean und einen Test gemacht hatte) folgte, fiel dann mehr oder weniger aus, weil die Jungs alle das Fussballfeld fuer den Tag der offenen Tuer, der in unserer Schule am Samstag stattfindet, von kniehohem Rasen befreien mussten. Ich hab dann mit dem Rest Karten gespielt (bin fleissig am Lernen, aber manchmal stell ich mich noch ein wenig bloed an ;-) ).
Zu Hause angekommen hatte ich dann das erste Mal nichts fuer die Schule zu tun und hab mich erstmal gemuetlich mit Gemuese zum Knabbern vor den Fernseher gesetzt (ja, das goenn ich mir auch ab und an - bald hab ich ja keinen Fernseher mehr).
Und heute, am Freitag, war ich endlich (seit drei Wochen) mal wieder im Krankenhaus. Ich hatte schon ziemliche Schuldgefuehle, die sich aber schnell gelegt haben, als ich dann naemlich einen sehr spannenden und wissensreichen Tag erlebt habe: ich war heute im Labor, da mich ja schon eher die chemische Seite der Medizin interessiert und habe dort wirklich viel gelernt. Zwar nicht oft mit dem chemischen Hintergrund, aber den kann ich mir jetzt mit 2 Buechern, die mir eine Kollegin ausgeliehen hat, und dem, was ich mir aus dem deutschen Internet rausgesucht habe, aneignen. Das ist schon fast wie ein kleines Teilstudium ;-), schliesslich will ich ja mein Hirn nicht vernachlaessigen und nicht das Lernen verlernen.
Was habe ich also getan? Zuerst war ich beim Blutabnehmen dabei, dann hab ich es in verschiedene Reagenzglaeser und Kapillare (so Glasstaebchen mit Loch) umgefuellt, um es dann im Zentrifugator (keine Ahnung, wie er auf deutsch heisst) schleudern zu lassen. Danach setzt sich das Plasma ab und man kann mit einer Schablone den Anteil von roten Blutkoerperchen messen und feststellen, ob der Patient evt. Anaemie hat oder Epo genommen hat (letzteres passiert hier natuerlich nicht). Mit dem Mikroskop hab ich mir dann angeguckt, wie weisse Blutkoerperchen aussehen und welche verschiedenen Arten es da so gibt (sieht tatsaechlich aus wie in meinen dunklen Bio-Buch-Erinnerungen!!). Auf einem Objekttraeger, der in Kaestchen eingeteilt ist, hab ich dann die Leukozyten gezaehlt (das wird hier alles manuell gemacht, mich wuerde mal interessieren, ob das bei uns anders ist). Dazu gibt es so ein lustiges Geraet, wo man dann immer draufdrueckt und es zaehlt (hat so Tasten wie eine Schreibmaschine). Naja, ich hab aber nur nochmal gezaehlt, nachdem die Fachfrau schon gezaehlt hatte. (Kleine Bermerkung am Rande: Im Labor arbeiten nur Frauen :-) )
Der Hoehepunkt des Tages war dann, dass ich meine eigene Blutgruppe testen durfte (nachdem ich bei einigen Patienten geuebt hatte ;-) )und den Erythrozytenanteil auch!!! Ich bin A+ und werd das wohl auch nich so schnell vergessen, da es mich immerhin ca. 10 Minuten gekostet hat und ich es gesehen habe :D
Tja, alles in allem ein sehr erfuellender und anstrengender Tag, der mich zum weitermachen und mehr lernen anspornt!
Jetzt werde ich mich aber erstmal ein wenig entspannen, um mich dann in mein schon fast ausgeplantes Wochenende zu stuerzen!!
Das wuensche ich Euch auch und lasst mal von Euch hoeren (ich verweise auf "schreib mir was - mein Gaestebuch"). Ihr erlebt bestimmt auch einiges (Studium, Arbeit, lo que sea), was mich freut, zu lesen!
Macht's gut und lest weiter fleissig,
eure "Laborantin" Lisa
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Paseo
genauso kann man es mit Fragen halten! Es gibt auch die nette Funktion der privaten Nachricht, die dann nur ich lesen kann, obwohl ich mich auch ueber oeffentliche freue!
Nun aber zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte:
Am Freitag schickte sich die Secundaria, also 7.-10.Klasse, an, den Unterricht ausfallen zu lassen und stattdessen einen kleinen Ausflug ("Paseo") zu einer Finca von einem Geschwisterpaar, die auch auf unserer Schule sind, zu machen. Da wurden wir als Lehrer natuerlich eingeladen, nur dass Peter wegen des Umzugs und die anderen wegen ihrer Zweitprojekte keine Zeit hatten. Mich allerdings hat der Ausflug so gereizt, dass ich kurzerhand beim Hospital abgesagt habe (was aber kein Problem war) und mitgegangen bin.
Wir trafen uns also morgens um neun an der Schule (um halb zehn waren dann auch fast alle da, sodass wir losgehen konnten), alle hatten Badesachen und einen Snack zum Mittag dabei und der Vater von einer Schuelerin hat uns dann auf einer Camioneta (ein Pick Up) mitgenommen. Welch Erlebnis, mit 20 Schuelern und vier Lehrern auf der Ladeflaeche zu stehen, die huegelige Landschaft vor sich zu sehen und den Wind zu spueren... Aber ich will nicht zu schoene Bilder malen, ich hoffe, ich schaffe es demnaechst mal, hier welche hochzuladen, Fotos sind ja doch immer am interessantesten.
Als wir dann so 15 Minuten gefahren waren, stiegen wir aus und gingen mehr oder weniger querfeldein (ueber sehr schlammige Wege, wie ich auch anhand meiner Schuhe feststellen konnte ;-) ) noch ca. eine halbe Stunde, bis wir das Haus der Finca erreichten. (Finca heisst so viel wie ein grosses Stueck Land, auf dem dann ein Haus steht.) Davon haben wir uns dann erstmal ein wenig erholt, einen Teil unseres Essens verspeist und schliesslich unsere naechste Mahlzeit vorbereitet, indem wir Mais geschaelt, die Kolben von ihren Koernern befreit und diese dann am Ende gemahlen haben. Ist schon interessant, zu sehen, woher das Essen so kommt und die Guirilas (Maisfladen, etwas suesser und dicker als Tortillas), die dann daraus fuer uns gebacken wurden, als wir vom Baden zurueckkamen, schmeckten gleich doppelt so gut... Auch jetzt bin ich mir da ein wenig bewusster, was das Essen angeht und geniesse es wie vorher auch, aber vielleicht noch ein bisschen mehr... (was sich auch schon an meinem Bauch bemerkbar macht *g*)
Als wir uns dann ausgeruht hatten, machten wir uns, wiederum ueber schlammige Wege, auf den Weg zum Fluss, wobei wir das letzte Stueck von Stein zu Stein ueber den reissenden Fluss springen mussten. (ja ich gebe zu, das war ein wenig uebertrieben)
Die Badestelle war dann eine Kurve, in der sich eine etwas tiefere Grube gebildet hat, die uns dann mit wunderbar hellbraunem Wasser lockte. Schnell die Sachen gewechselt und rein ins Vergnuegen hiess es dann! Es wurde ein Turm gebaut, geschwommen, gesprungen und gespielt. Schliesslich assen wir dann den Rest unseres Essens (am Flussufer in der Sonne) und unterhielten uns ein wenig. Dabei bin ich auch mal ein wenig mit den drei anderen Lehrern ins Gespraech gekommen. Ueberhaupt war der Tag wohl sehr foerderlich, die Schueler besser kennenzulernen und sich von der Nicht-Lehrer-Seite zu zeigen. Da war es mir eigentlich ganz willkommen, dass von meinen deutschen Kollegen keiner mit und ich somit gezwungen war, spanisch zu sprechen und Kontakt zu ihnen zu suchen. Auf dem Rueckweg vom Fluss zur Finca ging ich dann barfuss - wie angenehm sich warmer Schlamm anfuehlt, wusste ich vorher auch nicht.
Dann ging es ans Essen: Zuerst die Guirilas und dann gab es noch selbstgemachten Milchreis mit frischem Zimt (wusstet Ihr, dass die Zimtstangen, die wir kaufen, getrocknete Baumrinde vom Zimtbaum sind? - ich wusste es jedenfalls nicht)... Ich habe mit den Jungs noch Karten gespielt, bis wir schliesslich wieder aufbrechen mussten, um wenigstens halbwegs rechtzeitig wieder in Nueva Guinea zu sein. Den Tueckweg legten wir zu Fuss zurueck und als ich eine Stunde spaeter erschoepft im Cyber (Internet-Cafè) sass, fand ich es ziemlich verstaendlich, dass der Junge, dessen Haus wir besucht hatten, manchmal keine Lust auf Unterricht hat, wenn er nach einem einstuendigen Fussmarsch in der Schule ankommt. Ich jedenfalls haette nach dem ganzen Tag keine Konzentration mehr fuer eine Schulstunde gehabt, obwohl ich nicht um 5 Uhr aufgestanden bin, dann noch Kuehe gemolken und auf dem Feld gearbeitet habe, wie er es immer tut. Mein Respekt einigen Schuelern gegenueber ist also auch gestiegen.
Alles in allem war es ein toller, erlebnisreicher Tag, von dem ich viel mitgenommen habe und mich wohl auch noch des Oefteren an ihn erinnern werde, wenn mich meine Schueler gerade nerven oder keine Lust auf nichts haben... Obwohl das wohl auch bei mir mal passieren wird (Lustlosigkeit) und ich hoffe dann, dass sie auch ein wenig Verstaendis fuer mich haben. Am Donnerstag habe ich den Schuelern ausserdem einige persoenliche Fragen gestellt, die sie mir schriftlich beantwortet haben, damit ich einen kleinen Einblick in ihre Interessen, Lebenssituation und Zukunftswuensche bekomme.
Na gut, das war`s, was es ueber den Paseo zu berichten gibt, macht`s gut und lasst von Euch hoeren!
Eure "Profe" Lisa
Montag, 22. September 2008
Kleines Personenlexikon
Deshalb habe ich mir ueberlegt, eine Liste mit den Namen und kurzen Beschreibungen zu machen:
Jessica - eine meiner 3 deutschen Mitfreiwilligen, mit der ich mich ziemlich gut verstehe (wir hatten
auch schon unser erstes Frauengespraech ;-) ). Sie ist eher ruhig veranlagt, kann auch
noch nicht ganz so viel Spanisch, ist aber dabei, zu lernen und bereitet sich sehr
gewissenhaft auf ihren Unterricht vor
Stephan/Juan - ebenfalls mein zukuenftiger Mitbewohner, wir nennen ihn in der Schule immer Juan,
weil es schon einmal einen "Esteban" (spa fuer Stefan) gegeben hat und wir keine
Verwechslungen riskieren wollen. Auch ein sehr netter Zeitgenosse, dem es ein
Vergnuegen ist, sich wissenschaftliche Artikel ueber Physik und Aehnliches
durchzulesen (wir wollen bald mal zusammen Siedler spielen)
Alex - der dritte Mitfreiwillige im Bunde, Halbnica, weshalb des Spanischs mehr als maechtig.
Er ist unser sehr verantwortungsbewusster Laendersprecher, mit dem man aber auch
gern mal abends ein Bierchen trinken, quatschen, Fight Club gucken und Sprueche
klopfen kann
Peter/Pedro - ist derjenige, der hier schon ein Jahr verbracht hat (als unser Vorgaenger quasi),
jetzt aber wegen verschiedener Gruende noch bis Dezember bleibt. Auch ein sehr
guter Gespraechspartner, Gaertner und Koch ;-) , mit dem ich schon so manche
abendliche Stunde quatschend auf der Terrasse verbracht habe. Unter den
Schuelern eher als "odioso" (launisch, hassbar, unangenehm) bekannt
Andrea - Peters Freundin, die Spanischlehrerin von Stephan und Jessi und auch mir eine spannende Gespraechspartnerin. Sie war schon mit 14 Jahren mit der elften Klasse fertig und studiert jetzt hier, arbeitet aber nebenbei noch und ist als aeltestes Maedchen im Haus ihrer Familie fuer den Haushalt verantwortlich. Sie wollte eigentlich Medizin studieren, aber das gint wegen Geldmangels nicht
So, das soll es dann fuer´s erste gewesen sein, ich muss jetzt zur Elternversammlung (ja, was das Lehrerdasein nicht so alles mit sich bringt)...
Eure Profe Lisa
Mein angepeiltes Zweitprojekt: Das "Centro de Salud" (aehnlich wie ein Krankenhaus)
Das erste Mal war ich zusammen mit Raquel Flores im Hospital, da sie die Chefin kennt, die allerdings nicht anwesend war (habe sie auch noch nicht gesehen seitdem). Deshalb sind wir dann zum “ranghoechsten” Arzt gegangen, bei dem ich mich kurz vorgestellt habe. Er meinte, alle Leute, die helfen wollen, sind immer herzlich willkommen. Er bestellte mich dann zu 7.00Uhr in fuenf Tagen, wo ich dann rumgefuehrt werden sollte.
Am besagten Termin passte ich ihn dann ab und er brachte mich zur Emergencia (Notaufnahme) – eigentlich keine schlechte Wahl, wie ich fand. Doch die “Auxiliar” (so was wie Krankenschwester, nur nicht studiert) Juanita, die mich unter ihre Fittiche nahm, hatte leider nicht besonders viel fuer mich zu tun. Wenn naemlich neben doch noch vorhandenen sprachlichen Maengeln auch noch die fachlichen dazukommen (ich werde haeufig gefragt, ob ich Krankenschwester bin oder Medizin studiere, was ich dann verneinen muss, mit dem Zusatz, dass ich grad erst mein Abi gemacht habe), wird es schwierig. Ich kann zwar mittlerweile schon theoretisch Spritzen aufziehen, aber eben nur, wenn die Loesung nur aus einem Medikament bestehen soll. Sobald Gemische gespritzt werden, bin ich schon keine Hilfe mehr. Heute, an meinem 2.Tag hier in der Notaufnahme, konnte ich immerhin schon einigen Patienten, die in der Notaufnahme ankamen, sagen, dass die Aerzte gerade noch auf Visite sind und die Krankenschwester auf einer anderen Station und sie deshalb bitte draussen warten sollen. Ausserdem habe ich schon Papiere vorbereitet, die fuer Urinproben und erste Notizen verwendet werden. Wenn es auch nur wenig ist, was ich machen kann, ist es doch schon mehr als letztes Mal und wenn es jedes Mal in noch so kleinen Schritten vorwaerts geht, dann geht es immerhin vorwaerts und ich kann die Fortschritte sehen und werde irgendwann richtig etwas zu tun haben.
Vielleicht hat die Oberschwester, die Juanita gerade fragen geht, ja eine Aufgabe fuer mich. Ich koennte lernen, wie man Patienten spritzt.
So lange ich dabei nicht umkippe... Dazu muss ich sagen, dass ich am Mittwoch, nachdem ich 3 Stunden rumgesessen hatte, gegen 11.30 Uhr das erste Mal etwas zu tun bekam. Es kam ein Junge mit einer ziemlich boesen Schnittwunde im Zeh und ich habe dann die Spritze zur lokalen Betaeubung vorbereitet und sollte dann der Aerztin zur Hand gehen, waehrend der Junge vor Schmerzen schrie und weinte. Das war dann wohl doch zu viel fuer mich, ich merkte, wie mir langsam schwindelig wurde, schob es aber darauf, dass mir schon den ganzen Tag ein wenig uebel war. An das Waschbecken gelehnt sackte ich dann wohl in mich zusammen und habe erst wieder mitbekommen, wie Juanita und die Aerztin mich auf einen Stuhl zogen. Andere Ursachen fuer mein Umkippen koennten auch die extrem kalte Klimaanlage in der Emergencia sein, dass ich nicht so viel zum Fruehstueck gegessen hatte oder eben dass ich dem Anblick von so viel Blut nicht standhalte.
Als dann gerade Peter, seine Freundin und ihre Mutter (Raquel) rein kamen, sahen sie nicht Lisa, die im Krankenhaus hilft, sondern Lisa, der geholfen werden muss. Andrea, Peters Freundin, die auch den Spanischunterricht macht, brachte mir dann was zu trinken (mit Zucker und Elektrolyten), damit ich mich wieder erholte, waehrend Peter ein bisschen auf deutsch mit mir redete, wobei mir sehr willkommen war, mich nicht anstrengen zu muessen, um etwas zu verstehen.
Er beglueckwuenschte mich dann zu meinem ersten richtigen medizinischen Erlebnis, fragte mich aber auch, ob ich jetzt immer noch Medizin studieren wollte. Das wird sich wohl in den naechsten Monaten hier im Krankenhaus rausstellen, denke ich. Er gratulierte auch zu meinem ausserordentlich hohen Grad an Frustrationstoleranz. 100 Tage Anstrengung (eine der meist benutzten Redewendungen meiner Organisation) – das waere rund 10 Mal im Krankenhaus arbeiten, an denen ich dann 10 Mal umkippen koennte, hat er mir vorgerechnet. Aber ganz so schlimm wird’s schon nicht werden. Ob ich das Ganze auch meinen andern drei (zukuenftigen) Mitbewohnern erzaehle, muss ich sehen.
Nach dem Mittagessen und nachdem ich mich vom Schrecken erholt hatte, bekam ich dann doch endlich meine Fuehrung durch's Centro de Salud, wobei mich Dalia, eine Psychologin, gleich allen vorstellte und meinte, ich wuerde ihnen ein paar huebsche Deutsche mitbringen :-) . Sie ist vielleicht etwas uebertrieben herzlich und aufgesetzt, aber wenigstens zeigt sie mir, dass sie es gut findet, dass ich hier bin. Tatsaechlich gibt es hier einige sehr interessante Abteilungen, wie z.B. das Labor und ein Malaria- und Dengue-Prophylaxe-Programm, wo die Mitarbeiter ins Umland fahren, um Mueckenvorkommen und Aehnliches zu protokollieren. Auch bei einer Sprechstunde der Kinderaerzte waere ich gern dabei, vielleicht kann ich sogar bei einer Geburt zugucken?
Vielleicht fuehre ich aber auch den Alphabetisierungsunterricht von Dalia weiter oder richte eine Spiel- und Leseecke im Warteraum ein. Dort koennte ich mich dann mit den Kindern beschaeftigen, die manchmal mehr als 4 Stunden warten muessen, um behandelt zu werden. Es gibt so Einiges, was man hier tun kann, nur muss ich erstmal ein wenig beobachten, gucken wie alles funktioniert und die Sprache der Mediziner lernen, um meine eigenen Ideen einzubringen und eine sinnvolle Taetigkeit zu finden.
Letztendlich sind mir hier – ausser den finanziellen – keine Grenzen gesetzt, da ich als Weisse in der Kleinstadt Nueva Guinea fast alles realisieren kann, so lange ich nur genug Eigeninitiative, Willen und Kreativitaet zeige. Das haben mir jedenfalls die Ehemaligen mit auf den Weg gegeben.
Meine Arbeit und ihr Nutzen sind also nicht mehr und nicht weniger als das, was ich daraus mache!
Zweiter Tag – Notaufnahme 19.09.08
Am Anfang war es aehnlich wie am ersten Tag – wenig zu tun. Es ist auch immer noch nicht der pure Stress, aber die Sachen, die ich heute gelernt und getan habe, lohnen sich wenigstens aufgezaehlt zu werden: Ich habe bei Patienten die Temperatur gemessen, Einweisungspapiere vorbereitet (wobei ich ein Problem hatte, mich zwischen deutscher Effizienz und nicaraguanischer Gemuetlichkeit zu entscheiden), mich mit Aerzten und Pflegern unterhalten, beim Naehen einer Schnittwunde (Unterschenkel) assistiert (also Mullbinden gereicht, mit Alkohol getraenkt und den Verband festgeklebt), dabei fast immer hingeguckt und bin nicht umgekippt! Als aber jemand mit nur noch einer halben Fingerkuppe kam, wollte ich es dann doch nicht riskieren... Zu guter Letzt hat mir Juanita noch gezeigt, wie man den Maximal- und Minimaldruck misst. Beim naechsten Patienten kann ich es dann ausprobieren :-) .
Am Ende des Tages habe ich dann den Alphabetisierungs-Kurs gemacht, weil Dalia nicht konnte. Meine Schueler sind dabei 3 Maenner mittleren Alters, zwei von ihnen bewachen den ganzen Tag lang den Eingang (und auch mein Fahrrad, was dort unangeschlossen steht), der andere ist sozusagen Hausmeister. War schon ein komisches Gefuehl, Maenner zu unterrichten, die in diesem Gebiet zwar nur das Wissen von Kindergartenkindern haben, sonst aber schon viel mehr im Leben erlebt haben als ich. Ausserdem ist es schwierig, einzuschaetzen, wie viel ich ihnen auf einmal beibringen kann. Naja, da Dalia damit angefangen hat, immer 4 Buchstaben pro Stunde in alphabetischer Reihenfolge zu lernen (was ich eigentlich fuer wenig sinnvoll halte), habe ich damit weitergemacht. Mal sehen, ob ich sie doch von einem anderen Modus ueberzeugen kann. Sie hat naemlich ziemlich tolle Materialien von einem Alphabetisierungsprogramm der Regierung erhalten (mit Videos und Schreibheften und allem) und arbeitet damit leider kaum.
Sonstige – allgemeine – Eindruecke vom Krankenhaus: wenig Aerzte; sehr interessierte, aber teilweise ziemlich unwissende (was Geographie oder Europa angeht) Mitarbeiter; wenig Ausruestung; Stress; Abgestumpftheit (wie sie einem wohl in jedem Krankenhaus bezueglich von Wunden und Vorsicht begegnet); wartende Patienten (nur die wirklich offenen Wunden werden in der Notaufnahme sofort behandelt, das meiste andere muss warten.
Wie die Zustaende und Umstaende hier wirklich sind, werde ich aber erst mit der Zeit und ueber Gespraeche mit den Schwestern und Aerzten herausfinden und wenn ich auch ein deutsches Krankenhaus mal aus der Perspektive der Mitarbeiter betrachte... Bis jetzt sind meine Beobachtungen wohl eher oberflaechlich und allgemein...
Soweit von mir und meiner Arbeit im Hospital. Das naechste Mal ist dann die Kirche oder die Schule dran oder sonst etwas, was ich erlebt habe!
Eure "Aerztin in Ausbildung" Lisa
PS: Vergesst nicht, ins Gaestebuch zu schreiben!!!
Donnerstag, 18. September 2008
So, jetzt finde ich doch endlich mal die Zeit, meinen Blog auch zu einem Blog werden zu lassen, indem ich ihm naemlich einen Inhalt gebe.
Betrachtet diesen Eintrag jetzt erstmal als einen allgemeinen, nicht sooo aktuellen und verschafft euch einfach einen Ueberblick ueber das, was hier so mein Leben im Moment bestimmt:
Lasst euch zunaechst einmal gesagt sein, dass es mir hier wirklich sehr sehr gut geht und ich mich bis jetzt ziemlich gut aufgehoben und ohne groessere Probleme oder Heimweh fuehle.Obwohl ich zugeben muss, dass es schon schoen ist, an euch alle dann doch ab und zu zu denken! Und fuer die Nica-Kenner: Der Durchfall hat lange auf sich warten lassen, wartet jetzt aber mit wunderbaren Bauchkraempfen auf! Aber deswegen soll sich bitte keiner Sorgen machen, der Durchfall ist normal, da ich mich eben erst noch an das Essen und die Hygiene-Umstaende hier gewoehnen muss...
Zum Klima:
Neulich sassen wir (die anderen Deutschen und ich) auf der Terrasse und es war relativ kuehl - so haben wir es jedenfalls empfunden. Ich glaub, ich hatte mir schon ne Bluse uebergezogen, um nicht nur im T-Shirt zu sein. Da hat Stephan mal aufs Thermometer geguckt und........ es waren 27ºC!!! So schnell gewoehnt man sich also an die Waerme! Heut hatte ich kalte Fuesse in der Nacht - und es waren bestimmt auch 23-25ºC... Jetzt ist auch die Regenzeit wirklich hier angekommen - bisher konnten wir das Gerede von wegen viel Regen in Nueva Guinea ja eher weniger verstehen. Allerdings muss man sagen, dass sich der Regen hier echt gewaschen hat! Und wenn erst der Regen da ist, ist der Stromausfall nicht mehr weit... Zu unserem grossen Glueck hat es aber bis jetzt erst ein oder zwei mal am "Tag" geregnet (dazu muss man sagen, dass die "noche", also die Nacht hier so gegen 18 Uhr anfaengt, da es dann dunkel wird - auch etwas, an das man sich erstmal gewoehnen muss (wenn es bei uns so frueh dunkel wird, ist es ja immer auch seehr kalt)). Ein Gewitter waehrend des Unterrichts hab bisher nur ich erlebt - und wuensche es keinem meiner Kollegen! Man versteht naemlich sein eigenes Wort kaum wegen dem Laerm, den der prasselnde Regen macht. Wenn es dann donnert, kann man sich des panischen Geschreis der Maedels sicher sein...
So, damit waern wir beim naechsten Thema angekommen: Schule!
In der Schule laeuft es so weit ganz gut, nur kommt so langsam doch die Ernuechterung und die Erkenntnis, dass man eben keine deutschen Ansprueche an die Schueler hier stellen darf. In dem Grundschulenglischunterricht ist es schon ein Riesenfortschritt, wenn die Kinder nach dem Namen fragen koennen und fragen, wie es dem Gegenueber geht. Heute war ich allein in der AG, die ich eigentlich immer mit Jessi zusammen gebe und ich muss sagen, dass es noch schwerer war als sonst, zumal ich keine Tafel hatte. Immerhin konnte ich ihnen das Lied, was wir seit 3 Stunden ueben, zu Ende beibringen und dass sie nach der Uhrzeit fragen koennen. Ob sie das aber naechste Woche noch wissen??
An eine Stunde, die nur auf Englisch gehalten wird, ist dabei auch in den hoeheren Klassen (ich hab eine 7. in Englisch, also in ihrem ersten richtigen Unterrichtsjahr mit Noten und allem) nicht zu denken... Eine Schuelerin hat mir aber zumindest schon gesagt, dass sie es gut findet, dass ich auch viel Englisch spreche und nicht nur Vokabeln anschreibe.
Seit der neuen Stundenaufteilung (bei der ich meinen Physikunterricht abgeben konnte), habe ich jetzt ausserdem noch eine 9.Klasse in Mathe. In der Klasse gibt es ein ziemlich hohes Leistungsgefaelle, so habe ich einen Schueler (Justo), der eigentlich immer Einsen schreibt und auch sonst sehr fleissig und eben vor allem intelligent ist. Es gibt aber auch 2 maedchen, die abgesehen davon, dass sie alles nicht gleich beim ersten Mal kapieren (und auch nicht beim zweiten und nur manchmal beim dritten), auch sehr unvorbereitet in den Uunterricht kommen. Aber na gut, ich will keine vorschnellen Urteile bilden, da ich ja jetzt erst eine richtige Schulwoche erlebt habe und das so ungefaehr die letzte Woche des Parcials (Vierteljahr) ist. Dementsprechend sind die Schueler vielleicht auch weniger motiviert...
Ausserdem habe ich auch noch die 7. (hatte ich auch vorher) und die 8. Klasse in Deutsch. Da werde ich jetzt erst einmal was ueber Berlin erzaehlen; ueber mich und meine Familie, ueber Sehenswuerdigkeiten, die Mauer und was sie fuer die Berliner bedeutet hat, die tuerkischen Immigranten und und und... Das geht aber natuerlich nur auf Spanisch. Deshalb werd ich dann einige Vokabeln anschreiben, die dann im Examen rankommen koennen. So laeuft hier der Sprachenunterricht und man kann mich jetzt dafuer verurteilen, dass ich es auch so mache, aber zumindest in Englisch will ich ja probieren, einiges anders zu machen.
Insgesamt komme ich in der Woche auf 9 Unterrichtsstunden in der Secundaria (Mittelstufe) und 3 Stunden in der Primaria (Unterstufe). Aber da wir eigentlich mehr arbeiten sollen, werden wir wahrscheinlich in ca. einer Woche noch Englischstunden in der Primaria dazunehmen.
Diese Woche war schulisch gesehen sehr entspannt, da wir aufgrund der Feiertage drei Tage frei hatten und ich heute nur zwei Stunden habe...
So habe ich also mehr Freizeit gehabt, die ich mit meiner Gastfamilie und den Deutschen verbracht habe.
Was fuer eine Ueberleitung zum naechsten Thema, meiner Wohnsituation!
Ich wohne immer noch bei meiner Gastfamilie, in der ich mich bis jetzt sehr willkommen und wohl fuehle und mit der ich mich auch ganz gut verstaendigen kann. Meine Gastmutter heisst Maria Luisa (37 Jahre) und meine Gastschwester Joseling ist 13 Jahre. Beide sind zwar Teil der kleinstaedtischen Gemeinde hier und gehen also auch zur Kirche (vielleicht gehe ich heute mal mit, letzte Woche waren sie nicht) und reden gern ueber andere, aber sie sind auch ziemlich liberal eingestellt (im Denken meine ich, nicht im politischen Sinne, da sind sie naemlich unbedingt Sandinisten). Da sie schon einige Freiwillige aus Deutschland, Belgien und Holland hatten, koennen sie es auch akzeptieren, wenn mir was nicht schmeckt, wenn ich nicht zu einer Religion gehoere und manchmal vielleicht anders denke und handle. Das ist jedenfalls mein Eindruck bis jetzt (nachdem ich 8 Tage bei ihnen lebe)... Mit Joseling habe ich am Wochenende ein Haus aus Papier gebaut, an dem wir mit Einrichtung (Bilder, Sofa, Tische, Lampen, Blumen) ca. 3 Stunden gesessen haben und auf das wir ziemlich stolz sind ;-) Jetzt haben wir schon das erste wirklich gemeinsam hergestellte Ergebnis. Ansonsten spielen wir viel Karten (Mau Mau, Ligretto, Burro und Casino - also ausgewogen zwischen deutschen und nicaraguanischen Spielen), essen gemeinsam, gucken Telenovelas (zumindest Joseling und Helen, unsere Hausangestellte) oder sitzen einfach nur am Tisch und unterhalten uns. Zwei Mal hab ich auch schon mit Jos in einem Bett geschlafen (weil wir beide Lust hatten, nicht weil sie kein eigenes hat) und es wird wohl auch nicht mehr lange dauern, bis wir drei Frauen mal alle zusammen in einem Bett uebernachten :-) Ihr seht, es laeuft ganz gut zwischen uns!!!
Allerdings bin ich schon auch noch jeden Tag im Haus der Deutschen, weil Jessi und Stephan dann Spanischunterricht haben, bei dem wir immer zugucken bzw. uebersetzen oder mal auf deutsch erklaeren. Gestern haben wir ausserdem noch abgesprochen, welche "Vergehen und Weigerungen" (also zu spaet kommen, Muell runterwerfen, stoeren, Schimpfwoerter, Hausaufgaben vergessen etc.) wir wie bestrafen wollen. Dabei haben wir uns jetzt auf "Verhaltenspunkte" geeinigt, die wir den Schuelern abziehen, aber auch positive verteilen, wenn sie isch gut verhalten. Ab einer bestimmten Punktzahl werden dann die Eltern zum Gespraech geladen.
Zum Umgang mit den anderen Deutschen: Bisher kommen wir super miteinander klar, aber wir haben ja auch noch nicht wirklich zusammengelebt - die Probleme, falls es welche gibt, kommen also erst noch. Auf jeden Fall wurde mir schon gesagt, dass ich sehr direkt bin, aber dass sie mittlerweile einschaetzen koennen, wie ich das meine und dass sie es einfach meiner "Berliner Schnauze" - also meiner Berliner Herkunft - zuordnen... Ich denke, wir koennen ganz gut miteinander, bis jetzt ist der Kontakt aber eher oberflaechlich geblieben bzw. beschaeftigt sich hauptsaechlich mit dem, was wir in der Schule und in den Familien erleben. Aber ich bin mir sicher, dass sich das noch vertiefen wird!
Zur Sprache: Pues, hasta ahorita todo va bastante bien, me estoy adaptando al dialecto nica (kein s am ende aussprechen und auch sonst mehr singsangeln als in Mexiko)... Also, ich komm gut klar, Mexiko und Leistungskurs machen sich echt bemerkbar! Ich muss mich allerdings noch anstrengen beim Zuhoeren und auch beim Sprechen fehlt mir ab und an ein Wort, aber es laeuft eigentlich besser, als ich erwartet hatte! Maria Luisa hat gesagt, dass ich zwar noch nicht fliessend spreche, sie mich aber kaum korrigieren kann, weil ich mich immer selbst verbessere und mir die meisten Fehler auffallen.
Zu Nicaragua: Die Leute sind - soweit ich es bis jetzt beurteilen kann - schon einfacher (simple) als in Deutschland, aber auch sehr freundlich und mehr oder weniger offen. Wenn ich hier auf der Strasse eine alte Frau anlaechle, kann ich mir eigentlich eines "adios - was so viel wie hallo und tschuess gleichzeitig heisst" und eines "que le vaya bien - heisst dass es Ihnen gut gehen moege" sicher sein. Im Gegensatz dazu wird man in Deutschland ja eher schraeg angeguckt (ich hab's ausprobiert!!) Ausserdem sind sie sehr hoeflich, generell siezt man sich, auch meine Gastmutter sieze ich (Joseling auch) und alle Profesoras und wem man begegnet... Das hat aber nichts mit Distanz zu tun, sondern eher mit Respekt vor dem, was der Andere tut und wie er sein Leben meistert.
Na gut, ich denke, das reicht erstmal fuer den allgemeinen Ueberblick, bald schreibe ich noch, wie mein Alltag hier genau aussieht und wie ich die Festtage erlebt habe (dazu gibt es dann auch endlich mal Fotos)!!!
Macht's gut und wie ich gehoert habe, solltet Ihr euch langsam warm und regenfest anziehen!
Es gruesst aus dem bedeckten und trotzdem wohl ca. 30 Grad warmen Nueva Guinea,
Eure "Profe" Lisa!!!
PS: Entschuldigt mich fuer einige Dopplungen mit der Mail, aber ich wollte nicht alles nochmal neu schreiben!!
Dienstag, 22. Juli 2008
Nica-Treffen
Etwas angenehmer und auf jeden Fall berichtenswert war und ist das Nicaragua-Team-Treffen, für das ich am Wochenende bis nach Bensheim bei Darmstadt gereist bin! Dort sind wir zuerst mal angekommen und haben es uns am Lagerfeuer gemütlich gemacht. Am nächsten Tag und nach viel zu wenig Schlaf sind wir dann zu einer einsamen Hütte im Wald gewandert, um uns dort in Gruppengesprächen besser kennenzulernen, Spiele zu spielen und Kunstwerke aus Naturmaterialien zu schaffen (mal sehen, ob ich von denen noch Fotos auftreiben kann).
Durch das Treffen wurde ich nochmal motiviert, ein wenig auf Spendensuche zu gehen und die anderen beim Spanischlernen zu unterstützen, da ich es ja schon mehr oder weniger kann...
Wer mich mal bei Skype erwischen will: lisa.foerster.wi ist mein Kontakt.
Jetzt gibt es noch einiges für's VBS (Vorbereitungsseminar, von dem ich dann auch berichte) vorzubereiten, aber auch die Abschiede möchten zelebriert sein, weshalb ich versuchen werde, beides unter einen Hut zu kriegen ;-)
Macht's gut und bleibt sozial!!!
Erste Eintragung!
