Freitag, 17. Oktober 2008
Letzte Woche
Es ging am Montag los, als ich, noch k.o. vom Wochenende, an dem ich nicht soo viel geschlafen hatte und am Sonntag haben wir ausserdem in der WG gestrichen, frueh aufstand und erstmal meinen Tagebuch-Schreibkram bewaeltigen musste...
Dann ging es in die Schule, wo ich halbwegs zufriedenstellenden Unterricht machte.
Eigentlich geht es vor allem um den Dienstag: Da habe ich naemlich schon morgens von 8.30 Uhr an meinen Unterricht vorbereitet (faengt uebrigens immer fruehstens 10.45 Uhr an), was mich deshlab viel Zeit kostet, weil ich die Materialien vorbereitet habe, mit denen die Schueler naechste Woche ihre Praesentationen halten sollen. Ich habe also fuer jeden ein Blatt doppelseitig mit Regeln, Formeln und Uebungsaufgaben beschrieben, mit dem sie dann arbeiten, sich neue Uebungsaufgaben fuer die Anderen ausdenken und schliesslich in angemessener Form (mal sehen, ob das klappt und wo ich da meine Ansprueche ansetzen muss) praesentieren sollen. Ich gebe ihnen dafuer noch die Stunde am Montag, wo ich ihnen dann mit Rat und Tat zur Seite stehe ;-) Leider konnte ich nicht soo viel Zeit zur Vorbereitung geben, weil mich das ploetzlich vor der Tuer stehende Ende des Parcials (in dem die Praes. noch stattfinden muessen) ziemlich ueberrascht hat... Naja, das naechste Mal bin ich schlauer. Welchem Lehrer geht es schliesslich nicht so, dass er sich am Ende nochmal besonders beeilen muss??
Auf jeden Fall bin ich dann zur Schule und hab mal ein paar Sachen angesagt, wie z.B. dass Mitarbeit auch bewertet wird und dass schon bald die Examenes ausstehen. Prompt hatte ich folgsame, tolle Schueler, mit denen ich dann auch alles, was ich mir fuer die Stunde vorgenommen hatte, geschafft habe. Und in dem Englischtest, den ich geschrieben habe, hat auch der Grossteil der Klasse gut bis sehr gut abgeschnitten. Da bin ich dann doch ziemlich zufrieden nach Hause, wo ich gleich die Tests korrigierte...
Am Mittwoch ist ja immer mein eher entspannter Tag, weshalb ich die Zeit nutzen konnte, in meinem Buch ein wenig weiter zu lesen und ausserdem die Materialien (fuer die Vortraege) weiter zu machen. Pro Schueler hat es mich mit ein bisschen Ablenkung (essen, mit María Luisa reden) ungefaehr eine Stunde gekostet (zum Glueck sind es nur sieben Schueler). Und da ich mich am Nachmittag, als ich Zeit hatte, nicht zum Arbeiten aufgerafft hatte, sass ich dann eben bis 23 Uhr (was hier unverschaemt spaet ist, die "noche" faengt schliesslich schon 18 Uhr an und meine Familie war gegen 20.30 Uhr im Bett). Wenn ich daran denk, bis wann ich in Deutschland immer wach war, ist das schon voellig anders hier, aber ich steh ja auch frueher auf...
Tja, am Donnerstag hatten wir ein bisschen Stress in der Englisch-AG, weil ein paar Jungs Scheibe gespielt haben. Die Donnerstagsgruppe ist fast die schwierigste, obwohl es die wenigsten Schueler sind, weil 2 kleine sehr schuechterne Maedchen aus der 1. und 2. Klasse, die immer etwas laenger zum verstehen brauchen, und 3 laute, freche und schnell begreifende Jungs aus der 4. und 5. Klasse drin sind. Die unter einen Hut zu bekommen ist schwieriger als eine Grupe von 13 Leuten zu unterrichten. Tja, die drei Jungs durften dann zur Strafe nicht beim Spiel mitmachen, das wir am Ende gespielt haben und wir werden ausserdem mit ihren Klassenlehrerinnen sprechen muessen.
Danach ging es fuer mich nach Hause, endlich die Materialien fertig machen, dann im Regen zum Kopierladen und im Regen zur Schule. Die Deutschstunde, die auf die Mathestunde (wofuer ich die Materialiean und einen Test gemacht hatte) folgte, fiel dann mehr oder weniger aus, weil die Jungs alle das Fussballfeld fuer den Tag der offenen Tuer, der in unserer Schule am Samstag stattfindet, von kniehohem Rasen befreien mussten. Ich hab dann mit dem Rest Karten gespielt (bin fleissig am Lernen, aber manchmal stell ich mich noch ein wenig bloed an ;-) ).
Zu Hause angekommen hatte ich dann das erste Mal nichts fuer die Schule zu tun und hab mich erstmal gemuetlich mit Gemuese zum Knabbern vor den Fernseher gesetzt (ja, das goenn ich mir auch ab und an - bald hab ich ja keinen Fernseher mehr).
Und heute, am Freitag, war ich endlich (seit drei Wochen) mal wieder im Krankenhaus. Ich hatte schon ziemliche Schuldgefuehle, die sich aber schnell gelegt haben, als ich dann naemlich einen sehr spannenden und wissensreichen Tag erlebt habe: ich war heute im Labor, da mich ja schon eher die chemische Seite der Medizin interessiert und habe dort wirklich viel gelernt. Zwar nicht oft mit dem chemischen Hintergrund, aber den kann ich mir jetzt mit 2 Buechern, die mir eine Kollegin ausgeliehen hat, und dem, was ich mir aus dem deutschen Internet rausgesucht habe, aneignen. Das ist schon fast wie ein kleines Teilstudium ;-), schliesslich will ich ja mein Hirn nicht vernachlaessigen und nicht das Lernen verlernen.
Was habe ich also getan? Zuerst war ich beim Blutabnehmen dabei, dann hab ich es in verschiedene Reagenzglaeser und Kapillare (so Glasstaebchen mit Loch) umgefuellt, um es dann im Zentrifugator (keine Ahnung, wie er auf deutsch heisst) schleudern zu lassen. Danach setzt sich das Plasma ab und man kann mit einer Schablone den Anteil von roten Blutkoerperchen messen und feststellen, ob der Patient evt. Anaemie hat oder Epo genommen hat (letzteres passiert hier natuerlich nicht). Mit dem Mikroskop hab ich mir dann angeguckt, wie weisse Blutkoerperchen aussehen und welche verschiedenen Arten es da so gibt (sieht tatsaechlich aus wie in meinen dunklen Bio-Buch-Erinnerungen!!). Auf einem Objekttraeger, der in Kaestchen eingeteilt ist, hab ich dann die Leukozyten gezaehlt (das wird hier alles manuell gemacht, mich wuerde mal interessieren, ob das bei uns anders ist). Dazu gibt es so ein lustiges Geraet, wo man dann immer draufdrueckt und es zaehlt (hat so Tasten wie eine Schreibmaschine). Naja, ich hab aber nur nochmal gezaehlt, nachdem die Fachfrau schon gezaehlt hatte. (Kleine Bermerkung am Rande: Im Labor arbeiten nur Frauen :-) )
Der Hoehepunkt des Tages war dann, dass ich meine eigene Blutgruppe testen durfte (nachdem ich bei einigen Patienten geuebt hatte ;-) )und den Erythrozytenanteil auch!!! Ich bin A+ und werd das wohl auch nich so schnell vergessen, da es mich immerhin ca. 10 Minuten gekostet hat und ich es gesehen habe :D
Tja, alles in allem ein sehr erfuellender und anstrengender Tag, der mich zum weitermachen und mehr lernen anspornt!
Jetzt werde ich mich aber erstmal ein wenig entspannen, um mich dann in mein schon fast ausgeplantes Wochenende zu stuerzen!!
Das wuensche ich Euch auch und lasst mal von Euch hoeren (ich verweise auf "schreib mir was - mein Gaestebuch"). Ihr erlebt bestimmt auch einiges (Studium, Arbeit, lo que sea), was mich freut, zu lesen!
Macht's gut und lest weiter fleissig,
eure "Laborantin" Lisa
Mittwoch, 8. Oktober 2008
Paseo
genauso kann man es mit Fragen halten! Es gibt auch die nette Funktion der privaten Nachricht, die dann nur ich lesen kann, obwohl ich mich auch ueber oeffentliche freue!
Nun aber zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte:
Am Freitag schickte sich die Secundaria, also 7.-10.Klasse, an, den Unterricht ausfallen zu lassen und stattdessen einen kleinen Ausflug ("Paseo") zu einer Finca von einem Geschwisterpaar, die auch auf unserer Schule sind, zu machen. Da wurden wir als Lehrer natuerlich eingeladen, nur dass Peter wegen des Umzugs und die anderen wegen ihrer Zweitprojekte keine Zeit hatten. Mich allerdings hat der Ausflug so gereizt, dass ich kurzerhand beim Hospital abgesagt habe (was aber kein Problem war) und mitgegangen bin.
Wir trafen uns also morgens um neun an der Schule (um halb zehn waren dann auch fast alle da, sodass wir losgehen konnten), alle hatten Badesachen und einen Snack zum Mittag dabei und der Vater von einer Schuelerin hat uns dann auf einer Camioneta (ein Pick Up) mitgenommen. Welch Erlebnis, mit 20 Schuelern und vier Lehrern auf der Ladeflaeche zu stehen, die huegelige Landschaft vor sich zu sehen und den Wind zu spueren... Aber ich will nicht zu schoene Bilder malen, ich hoffe, ich schaffe es demnaechst mal, hier welche hochzuladen, Fotos sind ja doch immer am interessantesten.
Als wir dann so 15 Minuten gefahren waren, stiegen wir aus und gingen mehr oder weniger querfeldein (ueber sehr schlammige Wege, wie ich auch anhand meiner Schuhe feststellen konnte ;-) ) noch ca. eine halbe Stunde, bis wir das Haus der Finca erreichten. (Finca heisst so viel wie ein grosses Stueck Land, auf dem dann ein Haus steht.) Davon haben wir uns dann erstmal ein wenig erholt, einen Teil unseres Essens verspeist und schliesslich unsere naechste Mahlzeit vorbereitet, indem wir Mais geschaelt, die Kolben von ihren Koernern befreit und diese dann am Ende gemahlen haben. Ist schon interessant, zu sehen, woher das Essen so kommt und die Guirilas (Maisfladen, etwas suesser und dicker als Tortillas), die dann daraus fuer uns gebacken wurden, als wir vom Baden zurueckkamen, schmeckten gleich doppelt so gut... Auch jetzt bin ich mir da ein wenig bewusster, was das Essen angeht und geniesse es wie vorher auch, aber vielleicht noch ein bisschen mehr... (was sich auch schon an meinem Bauch bemerkbar macht *g*)
Als wir uns dann ausgeruht hatten, machten wir uns, wiederum ueber schlammige Wege, auf den Weg zum Fluss, wobei wir das letzte Stueck von Stein zu Stein ueber den reissenden Fluss springen mussten. (ja ich gebe zu, das war ein wenig uebertrieben)
Die Badestelle war dann eine Kurve, in der sich eine etwas tiefere Grube gebildet hat, die uns dann mit wunderbar hellbraunem Wasser lockte. Schnell die Sachen gewechselt und rein ins Vergnuegen hiess es dann! Es wurde ein Turm gebaut, geschwommen, gesprungen und gespielt. Schliesslich assen wir dann den Rest unseres Essens (am Flussufer in der Sonne) und unterhielten uns ein wenig. Dabei bin ich auch mal ein wenig mit den drei anderen Lehrern ins Gespraech gekommen. Ueberhaupt war der Tag wohl sehr foerderlich, die Schueler besser kennenzulernen und sich von der Nicht-Lehrer-Seite zu zeigen. Da war es mir eigentlich ganz willkommen, dass von meinen deutschen Kollegen keiner mit und ich somit gezwungen war, spanisch zu sprechen und Kontakt zu ihnen zu suchen. Auf dem Rueckweg vom Fluss zur Finca ging ich dann barfuss - wie angenehm sich warmer Schlamm anfuehlt, wusste ich vorher auch nicht.
Dann ging es ans Essen: Zuerst die Guirilas und dann gab es noch selbstgemachten Milchreis mit frischem Zimt (wusstet Ihr, dass die Zimtstangen, die wir kaufen, getrocknete Baumrinde vom Zimtbaum sind? - ich wusste es jedenfalls nicht)... Ich habe mit den Jungs noch Karten gespielt, bis wir schliesslich wieder aufbrechen mussten, um wenigstens halbwegs rechtzeitig wieder in Nueva Guinea zu sein. Den Tueckweg legten wir zu Fuss zurueck und als ich eine Stunde spaeter erschoepft im Cyber (Internet-Cafè) sass, fand ich es ziemlich verstaendlich, dass der Junge, dessen Haus wir besucht hatten, manchmal keine Lust auf Unterricht hat, wenn er nach einem einstuendigen Fussmarsch in der Schule ankommt. Ich jedenfalls haette nach dem ganzen Tag keine Konzentration mehr fuer eine Schulstunde gehabt, obwohl ich nicht um 5 Uhr aufgestanden bin, dann noch Kuehe gemolken und auf dem Feld gearbeitet habe, wie er es immer tut. Mein Respekt einigen Schuelern gegenueber ist also auch gestiegen.
Alles in allem war es ein toller, erlebnisreicher Tag, von dem ich viel mitgenommen habe und mich wohl auch noch des Oefteren an ihn erinnern werde, wenn mich meine Schueler gerade nerven oder keine Lust auf nichts haben... Obwohl das wohl auch bei mir mal passieren wird (Lustlosigkeit) und ich hoffe dann, dass sie auch ein wenig Verstaendis fuer mich haben. Am Donnerstag habe ich den Schuelern ausserdem einige persoenliche Fragen gestellt, die sie mir schriftlich beantwortet haben, damit ich einen kleinen Einblick in ihre Interessen, Lebenssituation und Zukunftswuensche bekomme.
Na gut, das war`s, was es ueber den Paseo zu berichten gibt, macht`s gut und lasst von Euch hoeren!
Eure "Profe" Lisa