Mittwoch, 8. Oktober 2008

Paseo

So... der Blog lag jetzt laenger auf Eis, was ich aber damit erklaeren kann, dass ich all meine kreative Schreibenergie in meinen Erfahrungsbericht gesteckt habe, wie einige von Euch wohl hoffentlich schon gemerkt (und gelesen) haben. Apropos, wer den Bericht lesen will und noch nicht bekommen hat, der moege dies bitte mit Mailadresse in mein Gaestebuch schreiben -
genauso kann man es mit Fragen halten! Es gibt auch die nette Funktion der privaten Nachricht, die dann nur ich lesen kann, obwohl ich mich auch ueber oeffentliche freue!



Nun aber zu dem, was ich eigentlich schreiben wollte:


Am Freitag schickte sich die Secundaria, also 7.-10.Klasse, an, den Unterricht ausfallen zu lassen und stattdessen einen kleinen Ausflug ("Paseo") zu einer Finca von einem Geschwisterpaar, die auch auf unserer Schule sind, zu machen. Da wurden wir als Lehrer natuerlich eingeladen, nur dass Peter wegen des Umzugs und die anderen wegen ihrer Zweitprojekte keine Zeit hatten. Mich allerdings hat der Ausflug so gereizt, dass ich kurzerhand beim Hospital abgesagt habe (was aber kein Problem war) und mitgegangen bin.



Wir trafen uns also morgens um neun an der Schule (um halb zehn waren dann auch fast alle da, sodass wir losgehen konnten), alle hatten Badesachen und einen Snack zum Mittag dabei und der Vater von einer Schuelerin hat uns dann auf einer Camioneta (ein Pick Up) mitgenommen. Welch Erlebnis, mit 20 Schuelern und vier Lehrern auf der Ladeflaeche zu stehen, die huegelige Landschaft vor sich zu sehen und den Wind zu spueren... Aber ich will nicht zu schoene Bilder malen, ich hoffe, ich schaffe es demnaechst mal, hier welche hochzuladen, Fotos sind ja doch immer am interessantesten.



Als wir dann so 15 Minuten gefahren waren, stiegen wir aus und gingen mehr oder weniger querfeldein (ueber sehr schlammige Wege, wie ich auch anhand meiner Schuhe feststellen konnte ;-) ) noch ca. eine halbe Stunde, bis wir das Haus der Finca erreichten. (Finca heisst so viel wie ein grosses Stueck Land, auf dem dann ein Haus steht.) Davon haben wir uns dann erstmal ein wenig erholt, einen Teil unseres Essens verspeist und schliesslich unsere naechste Mahlzeit vorbereitet, indem wir Mais geschaelt, die Kolben von ihren Koernern befreit und diese dann am Ende gemahlen haben. Ist schon interessant, zu sehen, woher das Essen so kommt und die Guirilas (Maisfladen, etwas suesser und dicker als Tortillas), die dann daraus fuer uns gebacken wurden, als wir vom Baden zurueckkamen, schmeckten gleich doppelt so gut... Auch jetzt bin ich mir da ein wenig bewusster, was das Essen angeht und geniesse es wie vorher auch, aber vielleicht noch ein bisschen mehr... (was sich auch schon an meinem Bauch bemerkbar macht *g*)



Als wir uns dann ausgeruht hatten, machten wir uns, wiederum ueber schlammige Wege, auf den Weg zum Fluss, wobei wir das letzte Stueck von Stein zu Stein ueber den reissenden Fluss springen mussten. (ja ich gebe zu, das war ein wenig uebertrieben)


Die Badestelle war dann eine Kurve, in der sich eine etwas tiefere Grube gebildet hat, die uns dann mit wunderbar hellbraunem Wasser lockte. Schnell die Sachen gewechselt und rein ins Vergnuegen hiess es dann! Es wurde ein Turm gebaut, geschwommen, gesprungen und gespielt. Schliesslich assen wir dann den Rest unseres Essens (am Flussufer in der Sonne) und unterhielten uns ein wenig. Dabei bin ich auch mal ein wenig mit den drei anderen Lehrern ins Gespraech gekommen. Ueberhaupt war der Tag wohl sehr foerderlich, die Schueler besser kennenzulernen und sich von der Nicht-Lehrer-Seite zu zeigen. Da war es mir eigentlich ganz willkommen, dass von meinen deutschen Kollegen keiner mit und ich somit gezwungen war, spanisch zu sprechen und Kontakt zu ihnen zu suchen. Auf dem Rueckweg vom Fluss zur Finca ging ich dann barfuss - wie angenehm sich warmer Schlamm anfuehlt, wusste ich vorher auch nicht.



Dann ging es ans Essen: Zuerst die Guirilas und dann gab es noch selbstgemachten Milchreis mit frischem Zimt (wusstet Ihr, dass die Zimtstangen, die wir kaufen, getrocknete Baumrinde vom Zimtbaum sind? - ich wusste es jedenfalls nicht)... Ich habe mit den Jungs noch Karten gespielt, bis wir schliesslich wieder aufbrechen mussten, um wenigstens halbwegs rechtzeitig wieder in Nueva Guinea zu sein. Den Tueckweg legten wir zu Fuss zurueck und als ich eine Stunde spaeter erschoepft im Cyber (Internet-Cafè) sass, fand ich es ziemlich verstaendlich, dass der Junge, dessen Haus wir besucht hatten, manchmal keine Lust auf Unterricht hat, wenn er nach einem einstuendigen Fussmarsch in der Schule ankommt. Ich jedenfalls haette nach dem ganzen Tag keine Konzentration mehr fuer eine Schulstunde gehabt, obwohl ich nicht um 5 Uhr aufgestanden bin, dann noch Kuehe gemolken und auf dem Feld gearbeitet habe, wie er es immer tut. Mein Respekt einigen Schuelern gegenueber ist also auch gestiegen.




Alles in allem war es ein toller, erlebnisreicher Tag, von dem ich viel mitgenommen habe und mich wohl auch noch des Oefteren an ihn erinnern werde, wenn mich meine Schueler gerade nerven oder keine Lust auf nichts haben... Obwohl das wohl auch bei mir mal passieren wird (Lustlosigkeit) und ich hoffe dann, dass sie auch ein wenig Verstaendis fuer mich haben. Am Donnerstag habe ich den Schuelern ausserdem einige persoenliche Fragen gestellt, die sie mir schriftlich beantwortet haben, damit ich einen kleinen Einblick in ihre Interessen, Lebenssituation und Zukunftswuensche bekomme.


Na gut, das war`s, was es ueber den Paseo zu berichten gibt, macht`s gut und lasst von Euch hoeren!


Eure "Profe" Lisa

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