Montag, 22. September 2008

Kleines Personenlexikon

Beim Lesen meines letzten Eintrags ist mir aufgefallen, dass es schon so einige Namen gibt, die einige von Euch vielleicht noch nicht kennen.



Deshalb habe ich mir ueberlegt, eine Liste mit den Namen und kurzen Beschreibungen zu machen:



Jessica - eine meiner 3 deutschen Mitfreiwilligen, mit der ich mich ziemlich gut verstehe (wir hatten
auch schon unser erstes Frauengespraech ;-) ). Sie ist eher ruhig veranlagt, kann auch
noch nicht ganz so viel Spanisch, ist aber dabei, zu lernen und bereitet sich sehr
gewissenhaft auf ihren Unterricht vor


Stephan/Juan - ebenfalls mein zukuenftiger Mitbewohner, wir nennen ihn in der Schule immer Juan,
weil es schon einmal einen "Esteban" (spa fuer Stefan) gegeben hat und wir keine
Verwechslungen riskieren wollen. Auch ein sehr netter Zeitgenosse, dem es ein
Vergnuegen ist, sich wissenschaftliche Artikel ueber Physik und Aehnliches
durchzulesen (wir wollen bald mal zusammen Siedler spielen)


Alex - der dritte Mitfreiwillige im Bunde, Halbnica, weshalb des Spanischs mehr als maechtig.
Er ist unser sehr verantwortungsbewusster Laendersprecher, mit dem man aber auch
gern mal abends ein Bierchen trinken, quatschen, Fight Club gucken und Sprueche
klopfen kann


Peter/Pedro - ist derjenige, der hier schon ein Jahr verbracht hat (als unser Vorgaenger quasi),
jetzt aber wegen verschiedener Gruende noch bis Dezember bleibt. Auch ein sehr
guter Gespraechspartner, Gaertner und Koch ;-) , mit dem ich schon so manche
abendliche Stunde quatschend auf der Terrasse verbracht habe. Unter den
Schuelern eher als "odioso" (launisch, hassbar, unangenehm) bekannt


Andrea - Peters Freundin, die Spanischlehrerin von Stephan und Jessi und auch mir eine spannende Gespraechspartnerin. Sie war schon mit 14 Jahren mit der elften Klasse fertig und studiert jetzt hier, arbeitet aber nebenbei noch und ist als aeltestes Maedchen im Haus ihrer Familie fuer den Haushalt verantwortlich. Sie wollte eigentlich Medizin studieren, aber das gint wegen Geldmangels nicht

So, das soll es dann fuer´s erste gewesen sein, ich muss jetzt zur Elternversammlung (ja, was das Lehrerdasein nicht so alles mit sich bringt)...

Eure Profe Lisa

Mein angepeiltes Zweitprojekt: Das "Centro de Salud" (aehnlich wie ein Krankenhaus)

Erster Tag im Centro de Salud Notaufnahme, 19.09.08

Das erste Mal war ich zusammen mit Raquel Flores im Hospital, da sie die Chefin kennt, die allerdings nicht anwesend war (habe sie auch noch nicht gesehen seitdem). Deshalb sind wir dann zum “ranghoechsten” Arzt gegangen, bei dem ich mich kurz vorgestellt habe. Er meinte, alle Leute, die helfen wollen, sind immer herzlich willkommen. Er bestellte mich dann zu 7.00Uhr in fuenf Tagen, wo ich dann rumgefuehrt werden sollte.
Am besagten Termin passte ich ihn dann ab und er brachte mich zur Emergencia (Notaufnahme) – eigentlich keine schlechte Wahl, wie ich fand. Doch die “Auxiliar” (so was wie Krankenschwester, nur nicht studiert) Juanita, die mich unter ihre Fittiche nahm, hatte leider nicht besonders viel fuer mich zu tun. Wenn naemlich neben doch noch vorhandenen sprachlichen Maengeln auch noch die fachlichen dazukommen (ich werde haeufig gefragt, ob ich Krankenschwester bin oder Medizin studiere, was ich dann verneinen muss, mit dem Zusatz, dass ich grad erst mein Abi gemacht habe), wird es schwierig. Ich kann zwar mittlerweile schon theoretisch Spritzen aufziehen, aber eben nur, wenn die Loesung nur aus einem Medikament bestehen soll. Sobald Gemische gespritzt werden, bin ich schon keine Hilfe mehr. Heute, an meinem 2.Tag hier in der Notaufnahme, konnte ich immerhin schon einigen Patienten, die in der Notaufnahme ankamen, sagen, dass die Aerzte gerade noch auf Visite sind und die Krankenschwester auf einer anderen Station und sie deshalb bitte draussen warten sollen. Ausserdem habe ich schon Papiere vorbereitet, die fuer Urinproben und erste Notizen verwendet werden. Wenn es auch nur wenig ist, was ich machen kann, ist es doch schon mehr als letztes Mal und wenn es jedes Mal in noch so kleinen Schritten vorwaerts geht, dann geht es immerhin vorwaerts und ich kann die Fortschritte sehen und werde irgendwann richtig etwas zu tun haben.
Vielleicht hat die Oberschwester, die Juanita gerade fragen geht, ja eine Aufgabe fuer mich. Ich koennte lernen, wie man Patienten spritzt.
So lange ich dabei nicht umkippe... Dazu muss ich sagen, dass ich am Mittwoch, nachdem ich 3 Stunden rumgesessen hatte, gegen 11.30 Uhr das erste Mal etwas zu tun bekam. Es kam ein Junge mit einer ziemlich boesen Schnittwunde im Zeh und ich habe dann die Spritze zur lokalen Betaeubung vorbereitet und sollte dann der Aerztin zur Hand gehen, waehrend der Junge vor Schmerzen schrie und weinte. Das war dann wohl doch zu viel fuer mich, ich merkte, wie mir langsam schwindelig wurde, schob es aber darauf, dass mir schon den ganzen Tag ein wenig uebel war. An das Waschbecken gelehnt sackte ich dann wohl in mich zusammen und habe erst wieder mitbekommen, wie Juanita und die Aerztin mich auf einen Stuhl zogen. Andere Ursachen fuer mein Umkippen koennten auch die extrem kalte Klimaanlage in der Emergencia sein, dass ich nicht so viel zum Fruehstueck gegessen hatte oder eben dass ich dem Anblick von so viel Blut nicht standhalte.
Als dann gerade Peter, seine Freundin und ihre Mutter (Raquel) rein kamen, sahen sie nicht Lisa, die im Krankenhaus hilft, sondern Lisa, der geholfen werden muss. Andrea, Peters Freundin, die auch den Spanischunterricht macht, brachte mir dann was zu trinken (mit Zucker und Elektrolyten), damit ich mich wieder erholte, waehrend Peter ein bisschen auf deutsch mit mir redete, wobei mir sehr willkommen war, mich nicht anstrengen zu muessen, um etwas zu verstehen.
Er beglueckwuenschte mich dann zu meinem ersten richtigen medizinischen Erlebnis, fragte mich aber auch, ob ich jetzt immer noch Medizin studieren wollte. Das wird sich wohl in den naechsten Monaten hier im Krankenhaus rausstellen, denke ich. Er gratulierte auch zu meinem ausserordentlich hohen Grad an Frustrationstoleranz. 100 Tage Anstrengung (eine der meist benutzten Redewendungen meiner Organisation) – das waere rund 10 Mal im Krankenhaus arbeiten, an denen ich dann 10 Mal umkippen koennte, hat er mir vorgerechnet. Aber ganz so schlimm wird’s schon nicht werden. Ob ich das Ganze auch meinen andern drei (zukuenftigen) Mitbewohnern erzaehle, muss ich sehen.

Nach dem Mittagessen und nachdem ich mich vom Schrecken erholt hatte, bekam ich dann doch endlich meine Fuehrung durch's Centro de Salud, wobei mich Dalia, eine Psychologin, gleich allen vorstellte und meinte, ich wuerde ihnen ein paar huebsche Deutsche mitbringen :-) . Sie ist vielleicht etwas uebertrieben herzlich und aufgesetzt, aber wenigstens zeigt sie mir, dass sie es gut findet, dass ich hier bin. Tatsaechlich gibt es hier einige sehr interessante Abteilungen, wie z.B. das Labor und ein Malaria- und Dengue-Prophylaxe-Programm, wo die Mitarbeiter ins Umland fahren, um Mueckenvorkommen und Aehnliches zu protokollieren. Auch bei einer Sprechstunde der Kinderaerzte waere ich gern dabei, vielleicht kann ich sogar bei einer Geburt zugucken?
Vielleicht fuehre ich aber auch den Alphabetisierungsunterricht von Dalia weiter oder richte eine Spiel- und Leseecke im Warteraum ein. Dort koennte ich mich dann mit den Kindern beschaeftigen, die manchmal mehr als 4 Stunden warten muessen, um behandelt zu werden. Es gibt so Einiges, was man hier tun kann, nur muss ich erstmal ein wenig beobachten, gucken wie alles funktioniert und die Sprache der Mediziner lernen, um meine eigenen Ideen einzubringen und eine sinnvolle Taetigkeit zu finden.

Letztendlich sind mir hier – ausser den finanziellen – keine Grenzen gesetzt, da ich als Weisse in der Kleinstadt Nueva Guinea fast alles realisieren kann, so lange ich nur genug Eigeninitiative, Willen und Kreativitaet zeige. Das haben mir jedenfalls die Ehemaligen mit auf den Weg gegeben.
Meine Arbeit und ihr Nutzen sind also nicht mehr und nicht weniger als das, was ich daraus mache!

Zweiter Tag – Notaufnahme 19.09.08


Am Anfang war es aehnlich wie am ersten Tag – wenig zu tun. Es ist auch immer noch nicht der pure Stress, aber die Sachen, die ich heute gelernt und getan habe, lohnen sich wenigstens aufgezaehlt zu werden: Ich habe bei Patienten die Temperatur gemessen, Einweisungspapiere vorbereitet (wobei ich ein Problem hatte, mich zwischen deutscher Effizienz und nicaraguanischer Gemuetlichkeit zu entscheiden), mich mit Aerzten und Pflegern unterhalten, beim Naehen einer Schnittwunde (Unterschenkel) assistiert (also Mullbinden gereicht, mit Alkohol getraenkt und den Verband festgeklebt), dabei fast immer hingeguckt und bin nicht umgekippt! Als aber jemand mit nur noch einer halben Fingerkuppe kam, wollte ich es dann doch nicht riskieren... Zu guter Letzt hat mir Juanita noch gezeigt, wie man den Maximal- und Minimaldruck misst. Beim naechsten Patienten kann ich es dann ausprobieren :-) .

Am Ende des Tages habe ich dann den Alphabetisierungs-Kurs gemacht, weil Dalia nicht konnte. Meine Schueler sind dabei 3 Maenner mittleren Alters, zwei von ihnen bewachen den ganzen Tag lang den Eingang (und auch mein Fahrrad, was dort unangeschlossen steht), der andere ist sozusagen Hausmeister. War schon ein komisches Gefuehl, Maenner zu unterrichten, die in diesem Gebiet zwar nur das Wissen von Kindergartenkindern haben, sonst aber schon viel mehr im Leben erlebt haben als ich. Ausserdem ist es schwierig, einzuschaetzen, wie viel ich ihnen auf einmal beibringen kann. Naja, da Dalia damit angefangen hat, immer 4 Buchstaben pro Stunde in alphabetischer Reihenfolge zu lernen (was ich eigentlich fuer wenig sinnvoll halte), habe ich damit weitergemacht. Mal sehen, ob ich sie doch von einem anderen Modus ueberzeugen kann. Sie hat naemlich ziemlich tolle Materialien von einem Alphabetisierungsprogramm der Regierung erhalten (mit Videos und Schreibheften und allem) und arbeitet damit leider kaum.

Sonstige – allgemeine – Eindruecke vom Krankenhaus: wenig Aerzte; sehr interessierte, aber teilweise ziemlich unwissende (was Geographie oder Europa angeht) Mitarbeiter; wenig Ausruestung; Stress; Abgestumpftheit (wie sie einem wohl in jedem Krankenhaus bezueglich von Wunden und Vorsicht begegnet); wartende Patienten (nur die wirklich offenen Wunden werden in der Notaufnahme sofort behandelt, das meiste andere muss warten.
Wie die Zustaende und Umstaende hier wirklich sind, werde ich aber erst mit der Zeit und ueber Gespraeche mit den Schwestern und Aerzten herausfinden und wenn ich auch ein deutsches Krankenhaus mal aus der Perspektive der Mitarbeiter betrachte... Bis jetzt sind meine Beobachtungen wohl eher oberflaechlich und allgemein
...



Soweit von mir und meiner Arbeit im Hospital. Das naechste Mal ist dann die Kirche oder die Schule dran oder sonst etwas, was ich erlebt habe!



Eure "Aerztin in Ausbildung" Lisa



PS: Vergesst nicht, ins Gaestebuch zu schreiben!!!

Donnerstag, 18. September 2008

Hallo liebe Leute!!

So, jetzt finde ich doch endlich mal die Zeit, meinen Blog auch zu einem Blog werden zu lassen, indem ich ihm naemlich einen Inhalt gebe.

Betrachtet diesen Eintrag jetzt erstmal als einen allgemeinen, nicht sooo aktuellen und verschafft euch einfach einen Ueberblick ueber das, was hier so mein Leben im Moment bestimmt:

Lasst euch zunaechst einmal gesagt sein, dass es mir hier wirklich sehr sehr gut geht und ich mich bis jetzt ziemlich gut aufgehoben und ohne groessere Probleme oder Heimweh fuehle.Obwohl ich zugeben muss, dass es schon schoen ist, an euch alle dann doch ab und zu zu denken! Und fuer die Nica-Kenner: Der Durchfall hat lange auf sich warten lassen, wartet jetzt aber mit wunderbaren Bauchkraempfen auf! Aber deswegen soll sich bitte keiner Sorgen machen, der Durchfall ist normal, da ich mich eben erst noch an das Essen und die Hygiene-Umstaende hier gewoehnen muss...

Zum Klima:
Neulich sassen wir (die anderen Deutschen und ich) auf der Terrasse und es war relativ kuehl - so haben wir es jedenfalls empfunden. Ich glaub, ich hatte mir schon ne Bluse uebergezogen, um nicht nur im T-Shirt zu sein. Da hat Stephan mal aufs Thermometer geguckt und........ es waren 27ºC!!! So schnell gewoehnt man sich also an die Waerme! Heut hatte ich kalte Fuesse in der Nacht - und es waren bestimmt auch 23-25ºC... Jetzt ist auch die Regenzeit wirklich hier angekommen - bisher konnten wir das Gerede von wegen viel Regen in Nueva Guinea ja eher weniger verstehen. Allerdings muss man sagen, dass sich der Regen hier echt gewaschen hat! Und wenn erst der Regen da ist, ist der Stromausfall nicht mehr weit... Zu unserem grossen Glueck hat es aber bis jetzt erst ein oder zwei mal am "Tag" geregnet (dazu muss man sagen, dass die "noche", also die Nacht hier so gegen 18 Uhr anfaengt, da es dann dunkel wird - auch etwas, an das man sich erstmal gewoehnen muss (wenn es bei uns so frueh dunkel wird, ist es ja immer auch seehr kalt)). Ein Gewitter waehrend des Unterrichts hab bisher nur ich erlebt - und wuensche es keinem meiner Kollegen! Man versteht naemlich sein eigenes Wort kaum wegen dem Laerm, den der prasselnde Regen macht. Wenn es dann donnert, kann man sich des panischen Geschreis der Maedels sicher sein...

So, damit waern wir beim naechsten Thema angekommen: Schule!

In der Schule laeuft es so weit ganz gut, nur kommt so langsam doch die Ernuechterung und die Erkenntnis, dass man eben keine deutschen Ansprueche an die Schueler hier stellen darf. In dem Grundschulenglischunterricht ist es schon ein Riesenfortschritt, wenn die Kinder nach dem Namen fragen koennen und fragen, wie es dem Gegenueber geht. Heute war ich allein in der AG, die ich eigentlich immer mit Jessi zusammen gebe und ich muss sagen, dass es noch schwerer war als sonst, zumal ich keine Tafel hatte. Immerhin konnte ich ihnen das Lied, was wir seit 3 Stunden ueben, zu Ende beibringen und dass sie nach der Uhrzeit fragen koennen. Ob sie das aber naechste Woche noch wissen??
An eine Stunde, die nur auf Englisch gehalten wird, ist dabei auch in den hoeheren Klassen (ich hab eine 7. in Englisch, also in ihrem ersten richtigen Unterrichtsjahr mit Noten und allem) nicht zu denken... Eine Schuelerin hat mir aber zumindest schon gesagt, dass sie es gut findet, dass ich auch viel Englisch spreche und nicht nur Vokabeln anschreibe.

Seit der neuen Stundenaufteilung (bei der ich meinen Physikunterricht abgeben konnte), habe ich jetzt ausserdem noch eine 9.Klasse in Mathe. In der Klasse gibt es ein ziemlich hohes Leistungsgefaelle, so habe ich einen Schueler (Justo), der eigentlich immer Einsen schreibt und auch sonst sehr fleissig und eben vor allem intelligent ist. Es gibt aber auch 2 maedchen, die abgesehen davon, dass sie alles nicht gleich beim ersten Mal kapieren (und auch nicht beim zweiten und nur manchmal beim dritten), auch sehr unvorbereitet in den Uunterricht kommen. Aber na gut, ich will keine vorschnellen Urteile bilden, da ich ja jetzt erst eine richtige Schulwoche erlebt habe und das so ungefaehr die letzte Woche des Parcials (Vierteljahr) ist. Dementsprechend sind die Schueler vielleicht auch weniger motiviert...
Ausserdem habe ich auch noch die 7. (hatte ich auch vorher) und die 8. Klasse in Deutsch. Da werde ich jetzt erst einmal was ueber Berlin erzaehlen; ueber mich und meine Familie, ueber Sehenswuerdigkeiten, die Mauer und was sie fuer die Berliner bedeutet hat, die tuerkischen Immigranten und und und... Das geht aber natuerlich nur auf Spanisch. Deshalb werd ich dann einige Vokabeln anschreiben, die dann im Examen rankommen koennen. So laeuft hier der Sprachenunterricht und man kann mich jetzt dafuer verurteilen, dass ich es auch so mache, aber zumindest in Englisch will ich ja probieren, einiges anders zu machen.
Insgesamt komme ich in der Woche auf 9 Unterrichtsstunden in der Secundaria (Mittelstufe) und 3 Stunden in der Primaria (Unterstufe). Aber da wir eigentlich mehr arbeiten sollen, werden wir wahrscheinlich in ca. einer Woche noch Englischstunden in der Primaria dazunehmen.
Diese Woche war schulisch gesehen sehr entspannt, da wir aufgrund der Feiertage drei Tage frei hatten und ich heute nur zwei Stunden habe...

So habe ich also mehr Freizeit gehabt, die ich mit meiner Gastfamilie und den Deutschen verbracht habe.
Was fuer eine Ueberleitung zum naechsten Thema, meiner Wohnsituation!

Ich wohne immer noch bei meiner Gastfamilie, in der ich mich bis jetzt sehr willkommen und wohl fuehle und mit der ich mich auch ganz gut verstaendigen kann. Meine Gastmutter heisst Maria Luisa (37 Jahre) und meine Gastschwester Joseling ist 13 Jahre. Beide sind zwar Teil der kleinstaedtischen Gemeinde hier und gehen also auch zur Kirche (vielleicht gehe ich heute mal mit, letzte Woche waren sie nicht) und reden gern ueber andere, aber sie sind auch ziemlich liberal eingestellt (im Denken meine ich, nicht im politischen Sinne, da sind sie naemlich unbedingt Sandinisten). Da sie schon einige Freiwillige aus Deutschland, Belgien und Holland hatten, koennen sie es auch akzeptieren, wenn mir was nicht schmeckt, wenn ich nicht zu einer Religion gehoere und manchmal vielleicht anders denke und handle. Das ist jedenfalls mein Eindruck bis jetzt (nachdem ich 8 Tage bei ihnen lebe)... Mit Joseling habe ich am Wochenende ein Haus aus Papier gebaut, an dem wir mit Einrichtung (Bilder, Sofa, Tische, Lampen, Blumen) ca. 3 Stunden gesessen haben und auf das wir ziemlich stolz sind ;-) Jetzt haben wir schon das erste wirklich gemeinsam hergestellte Ergebnis. Ansonsten spielen wir viel Karten (Mau Mau, Ligretto, Burro und Casino - also ausgewogen zwischen deutschen und nicaraguanischen Spielen), essen gemeinsam, gucken Telenovelas (zumindest Joseling und Helen, unsere Hausangestellte) oder sitzen einfach nur am Tisch und unterhalten uns. Zwei Mal hab ich auch schon mit Jos in einem Bett geschlafen (weil wir beide Lust hatten, nicht weil sie kein eigenes hat) und es wird wohl auch nicht mehr lange dauern, bis wir drei Frauen mal alle zusammen in einem Bett uebernachten :-) Ihr seht, es laeuft ganz gut zwischen uns!!!

Allerdings bin ich schon auch noch jeden Tag im Haus der Deutschen, weil Jessi und Stephan dann Spanischunterricht haben, bei dem wir immer zugucken bzw. uebersetzen oder mal auf deutsch erklaeren. Gestern haben wir ausserdem noch abgesprochen, welche "Vergehen und Weigerungen" (also zu spaet kommen, Muell runterwerfen, stoeren, Schimpfwoerter, Hausaufgaben vergessen etc.) wir wie bestrafen wollen. Dabei haben wir uns jetzt auf "Verhaltenspunkte" geeinigt, die wir den Schuelern abziehen, aber auch positive verteilen, wenn sie isch gut verhalten. Ab einer bestimmten Punktzahl werden dann die Eltern zum Gespraech geladen.

Zum Umgang mit den anderen Deutschen: Bisher kommen wir super miteinander klar, aber wir haben ja auch noch nicht wirklich zusammengelebt - die Probleme, falls es welche gibt, kommen also erst noch. Auf jeden Fall wurde mir schon gesagt, dass ich sehr direkt bin, aber dass sie mittlerweile einschaetzen koennen, wie ich das meine und dass sie es einfach meiner "Berliner Schnauze" - also meiner Berliner Herkunft - zuordnen... Ich denke, wir koennen ganz gut miteinander, bis jetzt ist der Kontakt aber eher oberflaechlich geblieben bzw. beschaeftigt sich hauptsaechlich mit dem, was wir in der Schule und in den Familien erleben. Aber ich bin mir sicher, dass sich das noch vertiefen wird!

Zur Sprache: Pues, hasta ahorita todo va bastante bien, me estoy adaptando al dialecto nica (kein s am ende aussprechen und auch sonst mehr singsangeln als in Mexiko)... Also, ich komm gut klar, Mexiko und Leistungskurs machen sich echt bemerkbar! Ich muss mich allerdings noch anstrengen beim Zuhoeren und auch beim Sprechen fehlt mir ab und an ein Wort, aber es laeuft eigentlich besser, als ich erwartet hatte! Maria Luisa hat gesagt, dass ich zwar noch nicht fliessend spreche, sie mich aber kaum korrigieren kann, weil ich mich immer selbst verbessere und mir die meisten Fehler auffallen.

Zu Nicaragua: Die Leute sind - soweit ich es bis jetzt beurteilen kann - schon einfacher (simple) als in Deutschland, aber auch sehr freundlich und mehr oder weniger offen. Wenn ich hier auf der Strasse eine alte Frau anlaechle, kann ich mir eigentlich eines "adios - was so viel wie hallo und tschuess gleichzeitig heisst" und eines "que le vaya bien - heisst dass es Ihnen gut gehen moege" sicher sein. Im Gegensatz dazu wird man in Deutschland ja eher schraeg angeguckt (ich hab's ausprobiert!!) Ausserdem sind sie sehr hoeflich, generell siezt man sich, auch meine Gastmutter sieze ich (Joseling auch) und alle Profesoras und wem man begegnet... Das hat aber nichts mit Distanz zu tun, sondern eher mit Respekt vor dem, was der Andere tut und wie er sein Leben meistert.

Na gut, ich denke, das reicht erstmal fuer den allgemeinen Ueberblick, bald schreibe ich noch, wie mein Alltag hier genau aussieht und wie ich die Festtage erlebt habe (dazu gibt es dann auch endlich mal Fotos)!!!

Macht's gut und wie ich gehoert habe, solltet Ihr euch langsam warm und regenfest anziehen!
Es gruesst aus dem bedeckten und trotzdem wohl ca. 30 Grad warmen Nueva Guinea,
Eure "Profe" Lisa!!!

PS: Entschuldigt mich fuer einige Dopplungen mit der Mail, aber ich wollte nicht alles nochmal neu schreiben!!