Donnerstag, 2. April 2009

Die letzte Zeit

Hallo ihr Lieben!!!

Also, irgendwann muss ich mal meinen Hass gegen das Internet und Computer im Allgemeinen überwinden, schließlich soll es ja kein Hass oder Desinteresse Euch gegenüber werden.

Heute (1.4.) bekam ich zwei sehr liebe Mails (die Verfasser werden sich jetzt angesprochen fühlen), in denen ich zum Einen darüber informiert wurde, dass zwei Tage, nachdem ich mein erstes Päckchen mit freudigem Grinsen und Magengrummeln vor Vorfreude auf die viiiiele Schokolade öffnete, schon das nächste unterwegs ist! (Aber Achtung: das heißt nicht, dass ich mich über mehr nicht freue!)
Zum Zweiten schrieb man mir, dass der Frühling Einzug gehalten hat in Berlin und Umgebung, dass die Sonne wieder in Eure Gesichter lacht und sich doch die meisten guter Gesundheit befinden. Was mir dann ein wenig Leid tat, war, dass es Einige gibt, die sehr oft auf diesen Blog schauen und nur sehr selten mit Neuigkeiten erfreut werden. Ihr möget mir verzeihen und trotzdem den Mut nicht verlieren, dass etwas Neues da sein könnte!!!

Vielen Dank an alle, die an dem, was mir hier widerfährt, so interessiert sind!
Wer noch dazu sich ein wenig weiterbilden möchte oder Zeit hat, mal was wirklich TOLLES, INTERESSANTES, WISSENSWERTES und KREATIVES zu lesen, dem empfehle ich die neue (13.) Ausgabe unserer Freiwilligenzeitung ganz waermstens (auch ich habe einen minikleinen Beitrag geleistet)!! Runterzuladen gibt es sie unter: www.wortwechsel-weltweit.de. (siehe auch den Link links unter „Freiwilligenzeitung“)

Was gibt es also Neues zu berichten aus Neueva Guinea?

Nun, da wäre zuerst einmal, dass wir auf dem Zwischentreffen waren, von wo ich eine Mail schickte und wovon ich im nächsten Erfahrungsbericht schreiben werde. Nur so viel: Es war ein feucht fröhliches Wiedersehen mit allen Freiwilligen meiner Organisation (WI e. V.), die in Mittelamerika „stationiert“ sind und mit den beiden aus Sankt Petersburg (gut, um meine Russischbrocken nochmal aufzufrischen/zu konservieren). Neben einem „Erfahrungsaustausch“, wie unsere Gespräche offiziell genannt werden ;-) fanden außerdem Workshops, Ausflüge, Planung für die Zukunft und andere Dinge statt. Insgesamt waren es neun wunderschöne Tage, an die ich noch zwei Tage Pazifikstrand-Aufenthalt mit einigen von den Freiwilligen gehangen habe, um das ganze auch gebührend ausklingen zu lassen... Nach Nueva Guinea bin ich mit ein paar neuen Ideen, erholter und frischer und auch irgendwie energiegeladener zurückgekommen. Gleichzeitig habe ich bei diversen Klagen und Kritik der Freiwilligen über ihre jeweilige Situation – sei es im Projekt, im WG-Alltag oder im Land allgemein – mein eigenes Leben als Lehrerin in Nueva Guinea auch wieder zu schätzen gelernt. Es hat eben ALLES IMMER Vor- und Nachteile. Doch jede Ungerechtigkeit gleicht sich am Ende auf andere Weise wieder aus, als man vielleicht erwartet hätte und viele Dinge sind doch mit Geld gar nicht aufzuwiegen (es gab nämlich Diskussionen über Luxus in manchen WGs, über Kosten, die durch Anreise zu dem Zwischentreffen entstanden sind, über Essens- oder Taschengeld, das nicht ausreicht und vieles mehr – daran kann man sehen, dass auch sozial tätige Freiwillige vor Neid nicht gefeit sind).

So, mal eine kleine Weisheit für zwischendurch ;-)

Dann kamen wir zurück und wurden erstmal von unserem deutschen „Chef“ (also demjenigen, der bei der WI für uns verantwortlich ist) besucht und etwas genauer unter die Lupe genommen.

Das hat insofern Sinn, als er einfach besser weiß, wie es hier bei uns abläuft, was wir machen, wo, mit wem und wann wir uns auseinander setzen müssen und wie es uns dabei geht. Andererseits konnte er uns eben auch noch ein paar Tipps geben (als studierter Psychologe :D), was den Unterricht, das WG-Leben und unser Wohlbefinden betrifft (ich muss noch irgendeine Aktivität finden, die dann ganz allein meine Sache ist, habe ich im Gespräch mit ihm herausgefunden). Und unsere Direktorin hat ihm natürlich mal ein paar Details ihrer Ansichten uns gegenüber mitgeteilt, die sie uns so niemals sagen würde. Die Nicas sind nämlich nicht immer so direkt, wie man es sich als Deutscher (besonders als Berliner, die wir besonders direkt sein sollen, wie mir meine WG-Kumpanen eröffneten) manchmal wünschen würde. Aber da war eben nicht nur Kritik sondern auch Lob dabei, was natürlich immer ein kleiner Seelenstreichler ist...

Überraschend kam ich dann eines Donnerstagnachmittags ziemlich fertig von der Schule, weil ich die Woche über fast jeden Tag fünf Stunden dort gewesen war. Da roch es ein wenig angebrannt und auf meine Frage hin, was das denn sei, antwortete Jessi: „Britta hat was anbrennen lassen!“ Nun müsst Ihr wissen, dass Britta eine ehemalige Freiwillige aus Masaya (Nicaragua), gleichzeitig auch in der Vorbereitung und jetzt für uns „Nicas“ eine der beiden Länderkoordinatoren ist und deshalb zum Zwischentreffen kam, um uns zu treffen und unseren „Chef“ (er heißt übrigens Johannes) zu unterstützen. Für mich war sie in der Vorbereitung eine sehr wichtige Ansprechpartnerin, beim Vorbereitungsseminar sind wir sogar ganz gute Freundinnen geworden und jetzt beim Zwischentreffen war der Umgang einfach lustig, vertraut und unkompliziert. Aber das soll auch genügen als kleiner Exkurs zu ihr.
Auf jeden Fall stand dann eben diese Britta, deren Flug eigentlich ein Tag vorher ging, bei uns auf der Terrasse und das hat besonders für mich und Stephan (weil wir uns von uns vieren am besten mit ihr verstehen) den Stress der letzten Tage ein wenig unwichtiger gemacht. Dass sie da war, war uns auch eine willkommene Abwechslung zum Schulstress, wir sind zu einem Flussfreibad gefahren, abends essen gegangen und haben unendliche Runden Skat gespielt. Natürlich kam auch das Klatschen und Tratschen nicht zu kurz....

Jetzt ist aber der ganze Besuchstrubel vorbei, der Alltag hält wieder Einzug, wenn auch in etwas abgewandelter, noch nie dagewesener Form: Seit unserer Rückkehr vom Zwischentreffen hat es keinen richtigen Regenguss mehr gegeben! Nur ein wenig Getroepfel nachts! 10 Tage ohne Regen? Das ist doch nicht sooo was Besonderes, könntet Ihr jetzt entgegnen, aber dann lasst Euch gesagt sein, dass es hier bis jetzt wirklich im Schnitt jeden dritten Tag einen ordentlichen Regenguss gegeben hat. Und jetzt kommen wir wieder und alles ist anders: das alte Freiwilligenhaus wurde umgestrichen und es regnet nicht mehr! Außerdem ist es gerade so warm (32 Grad im Haus, 33 im Schatten), dass wir morgens am Fruehstueckstisch sitzen und einfach nur vom Sitzen schwitzen. Der heißeste Monat – April – ist da! (zum Glück ist in der Schule viel Schatten und immer ein aeusserst angenehmes Mikro-Klima)

Das bedeutet auch, dass die Semana Santa ansteht – die Osterwoche – und das heißt: Schon wieder FERIEN!!! Aber wir haben uns entschlossen, größtenteils hier zu bleiben, um mehr von den Traditionen (und das ist hauptsächlich köstliches Essen *gg*) mitzubekommen... Außer am Sonntag, da werden wir mit ca. 40 Leuten (Studenten, Unidozenten und Lehrern von anderen Schulen) aus Nueva Guinea einen Ausflug auf eine Insel im Nicaraguasee (für die Ortskundigen: Es ist nicht Ometepe und sie liegt auf „unserer“ - also der Ostseite – des Sees), wo es einen Strand, eine Disko und die Möglichkeit zum Angeln gibt. Mehr darüber dann im auf den nächsten folgenden Bericht ;-)

Zur Schule: die Schüler suchen immer noch jede Möglichkeit, sich vor Hausaufgaben, Tests und Vorträgen zu drücken bzw. sind sie ausgerechnet dann sehr erfinderisch (beim Ausreden finden) wenn es eigentlich nicht so sinnvoll ist. Was wäre möglich, wenn sie diese Kreativität beim Erfinden von Englisch-Dialogen oder Mathe-Statistiken anwenden würden!!! Aber wirklich beschweren kann ich mich eigentlich nicht, da sie sich bei mir immer noch ganz gut benehmen, besonders in den Pausen und außer-unterrichtlich... auch wenn dazu teilweise ein wenig Bestechung nötig ist (hier ein Kuchen, dort ein Spiel ;-D ) aber dieser Mittel bediene ich mich doch eher selten...

So, außerdem geht grad noch das erste Parcial dieses Schuljahres zu Ende, weshalb ich jetzt mal schnell die Noten geben und ausrechnen werde (teilweise kommt mir da meine Methode, die mündliche Mitarbeit zu bewerten, ziemlich willkürlich vor – arm dran sind dann die Schüler, die ich nicht so gut leiden kann!

Ich hoffe, ihr seid jetzt soweit wieder auf dem Laufenden, alles was ihr sonst noch wissen wollt, zögert nicht zu fragen! Ich bin für vieles offen...

Eure lebend(ig)e Lisa

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